Project Description

Die Reise ging in Thailand los. Von Anfang an lesen.

…etwas verkatert stieg ich in den Bus. Das Ticket kostete mich gerade mal 7 €, dazu musste ich mit weiteren 28 € Visagebühren an der Grenze rechnen.

Die Fahrt führte mich über holprige Straßen, eingerahmt von Reisfeldern und kleinen Blechhütten. Auf dem Highway zogen die Leute ihre vollbepackten Karren die Strasse entlang. Alle schienen sehr beschäftigt, dennoch entspannt.

Ich fuhr bis Siem Reap. Mein Plan war, von hier weiter nach Phnom Phen zu fahren und dort mein Visa für Vietnam zu beantragen. Mein ursprüngliches Ziel. Wie ihr im Menü sehen könnt, war ich nie da gewesen.

Ich checkte in ein günstiges Hostel ein, für gerade mal 2,60 € die Nacht. Ich hatte sogar ein eigenes Doppelbett. Geschnitzt und geschnörkelt aus Mahagoniholz, zumindest hatte der Lack die Farbe. Mit Satain-Bettwesche in traumhaft hässlichen Rosenmuster. Passend zu den Vorhängen und den Kunstblumen, die das Fenster verzierten.

Am nächsten Morgen, noch bevor die Sonne den Tag erweckte, lieh ich mir ein Fahrrad und fuhr raus aus Siem Reap. Ich hatte mich vor der Fahrt noch dick mit Sonnencreme eingeschmiert, aber keine dabei. Die Strassen wurden immer abgelegener, holpriger und mühsamer. Es sah so wunderschön aus, wie die Sonne dieses Land zum Leben erweckte. Die Arbeiter, die auf ihre Reisfelder zogen. Meist mit Hüten auf, wie man sie aus Vietnam kennt. Vollbepackte Karren zogen sie hinter sich her. Die Frauen wuschen ihr langes Haar im See und holten Wasser für den Tag. Sie trugen schwere Tontöpfe auf ihren Köpfen. Und alle schienen diesen Tag zu geniessen und schenkten mir ein Lächeln beim Vorbeifahren.

Ich radelte den ganzen Tag umher, gebrannt von der Sonne, zog mich dieses Land ab dem ersten Tag in seinen Bann.

Am nächsten Tag wollte ich mir die Tempelanlage von Ankor Wat anschauen.

Angkor Wat und der archäologische Park 

Nur wenige Kilometer nördlich von der Stadt Siem Reap liegt der  Angkor Wat Tempel im Angkor Archaeological Park.

In diesem Park gibt es einige Tempelanlagen. Der bekannteste Tempel  ist Angkor Wat. Es lohnt sich schon vor Sonnenaufgang dort zu sein. Der archäologische Park ist so riesig, und der Eintrittspreis mit 20$ nicht gerade günstig, so dass man den Tag voll nutzen sollte. Wenn man mehrere Tage Zeit hat, lohnt sich ein 3 Tagesticket für 40$, dann kann man sich das ganze entspannter anschauen und auf sich wirken lassen. Ich hab an einem Tag leider nicht alles geschafft.

Die Tempel stammen aus der Khymerzeit im 10. Jahrhundert und sind überwältigend und mächtig gebaut.

Angkor Thom, eine weitere Anlage,  befindet sich nördlich von Ankor Wat und ist die alte Hauptstadt vom Khmer Reich. Innerhalb der Stadtmauern liegt der Tempel Bayon, der bekannt ist für seine riesigen, steinernen Gesichter. Daneben gibt es mehr Sehenswertes wie die Elefantenterrasse und den Baphuon Tempel. Angkor Thom sollte unbedingt auf der To-Do Liste stehen.

Abgesehen von den imposanten Tempeln hält der archäologische Park viele weitere einzigartige Vermächtnisse vom Khmer Reich bereit.

Ich schlenderte durch die Anlage und war beeindruckt von der Bauweise und der Macht die von dem Gestein auszugehen schien. Es ist allerdings sehr touristisch und zu den Hauptzeiten völlig überfüllt von Leuten mit Safari-Hüten oder Leuten mit Tennissocken, die beim Gehen mehr in den Reiseführer schauen, als die pompösen Bauwerke vor sich zu bestaunen. Trotzdem ist und bleibt Angkor Wat ein unglaubliches Erlebnis, und ich freu mich schon beim der nächsten Cambodiareise mir alles nochmal genauer anzusehen.

Unbedingt sehenswert sind die Tempel Preah Khan, Ta Keo, Baphuon und Banteay Kdei. Auch dafür sollte man sich richtig viel Zeit einplanen, sonst ärgert man sich später.

Der wohl aussergewöhnlichste der Tempel ist Ta Prohm ist auch bekannt als „Tomb Raider Tempel“. Der Tempel diente als Filmkulisse im Kinofilm „Lara Croft: Tomb Raider“. Die Atmosphäre ist einzigartig, Viele Teile des Tempels, sind mit Wurzeln und Bäumen durchwachsen, so dass sie regelrecht vom Dschungel verschluckt werden.

In den Strassen von Siem Reap

Ich blieb noch zwei weitere Tage in Siem Reap. In Siem Reap tobt das Nachtleben auf dem Nightmarket. Eine Fläche, gebaut für Touristen, Bierstände, Marktstände, aufdringlichen Verkäufern. Kein Schritt ohne „Come in Lady, buy something“ . Ich versteh es auch hier nicht, würden die einen einfach mal in Ruhe sich umschauen lassen, würde man sicherlich mehr kaufen. Anstatt das Weite zu suchen.

Tags, die Märkte auf den Strassen, waren mir sehr viel angenehmer und authentischer. Ich liebe es, wenn sich das Leben in den Strassen abspielt. Die Leute, die  ihren Fischfang anbieten. Der Geruch von exotischen Früchten, der in die Nase steigt, der Geschmack einer Litchi, der mit denen in unseren Supermärkten unvergleichbar ist. Saftig, von der Sonne geküsst, süss und so duftend, die Farben leuchtend wie aus dem Malkasten.

Mit dem Nachtbus in die Hauptstadt – Phnom Phen

Die Jungs haben das ganz schön gut dargestellt.

In Phnom Phen angekommen, merkte man gleich eine hektische und etwas niedergeschlagene Stimmung. In den 70ern sind  hier Tausende im Krieg gefallen. Sie wurden eingesperrt, misshandelt und getötet. Das ist jüngste Geschichte und nicht lang her. Man hat den Eindruck eine ganze Generation wurde hier ausgelöscht.

Etwas ausserhalb der Stadt befindet sich die wohl  bekannteste Stätte der Killing Fields, in Choeung Ek,  auf der bis zu 17.000 Menschen umgebracht wurden.

Ich fragte einen Rollerfahrer, ob er mich hinbringen könne und stieg auf.

Besonders einprägsam sind die Bilder tausender Totenschädel und anderer menschlicher Überreste, welche die Felder Kambodschas übersäten. Die Totenschädel werden heute zum Teil in einem Stupa aufbewahrt, der zum Gedächtnis an die Toten auf dem Gelände in Choeung Ek errichtet wurde.

Um Munition zu sparen, wurden die Todgeweihten in diesem Exekutionszentrum nicht erschossen, sondern mit Eisenstangen, Äxten oder ähnlichem erschlagen. Kinder wurden gegen Bäume geschlagen, bis sie tot waren. Die Toten wurden in Massengräbern verscharrt, die auch heute noch deutlich sichtbar auf dem Gelände vorhanden sind. Durch starken Regen und Erosion kommen immer noch Kleidung und Knochenreste aus dem Boden, die von den Mitarbeitern der Gedenkstätte alle zwei bis drei Monate eingesammelt werden.

Da teilweise mehr Leute pro Tag ankamen, als getötet werden konnten, wurden die Leute temporär in einem „Warteraum“ eingesperrt. Damit die auf ihren Tod wartenden Leute die Schreie der Sterbenden nicht hören konnten, wurde die Anlage mit Musik beschallt.

Durch das Gelände geht man mit Headphones und kann sich die Geschichten der Zurückgebliebenen anhören, Schicksale, die mitbekamen, wie ihre Angehörigen abgeholt und in Autos geschlagen wurden. Weinende Kinder und im Hintergrund immer die Gesänge, die damals abliefen hier, um die Getöteten nicht schreien zu hören. Es gibt verschiedene „Stationen“ und dazu Geschichten von Betroffenen. Es bleibt kein Auge trocken, bei einem Besuch hier, es macht nachdenklich und traurig. Und jeder auf der Strasse, kann dir dazu eine persönliche Geschichte erzählen, wie er das ganze erlebte. Ein erdrückendes Gefühl, so nahe Geschichte zu spüren.

Der größte Teil der ermordeten Menschen stammt vermutlich aus dem Gefängnis Tuol-Sleng  in Phnom Penh, das als Folter- und Verhörzentrum diente. Davor war es ein Gymnasium, heute ist es ein Museum.

Ich wollte hier in Phnom Chen mein Visa beantragen. Doch es war Wochenende, und die beiden folgenden Tage Feiertage. So das ich das frühestens Mittwochs erledigen konnte.

Ich lieh mir wieder ein Fahrrad und fragte den Nhean im Hostel, wie ich am besten raus aus dieser Stadt käme, um mir die umliegenden Dörfer anzusehen.

Er zeigt mir das Dorf seiner Eltern und wie ich dort hinkäme. Also fuhr ich los. Ich fuhr den ganzen Tag. Durch die Felder, über die aufgeschütteten Wege und kam durch mehrere kleine Dörfer, die Kinder lachten und rannten mir hinterher und hofften, ich hätte was für sie in der Tasche. Zuckersüss waren sie mit ihren tiefschwarzen leuchtenden Mandelaugen. Meist nackt oder in schmutzige Kleidung gehüllt. Es wurde dunkel, ich hatte keine Uhr mit und fragte mich wie spät es denn wohl sei, und wie weit ausserhalb ich war. Ich fragte jemanden: „Wie komm ich den von hier aus nach Phnom Chen zurück?“  Er sagte, ich bin viel zu weit ausserhalb, ungefähr 30 Km. Er sagte: „Aber du sprichst ziemlich gut Englisch. Hast du Zeit und Lust die Kinder zu unterrichten?“

Klar hatte ich. Er bot mir an, bei seiner Familie zu schlafen.

In dieser Hütte schlief ich mit der ganzen Familie auf dem Bambusboden.

Elektrizität gab es nicht und auch kein „Badezimmer“. Zum waschen sprangen wir morgens in den See. Es gab selbst angebaute Früchte zum Frühstück und der Vater nam mich mit zum  See zum Fischen. Der Direktor der Schule kam vorbei, das muss wohl per Stille Post passiert sein. Ich sagte, ich müsse mein Fahrrad heimbringen und würde dann wieder kommen. Sie waren so herzlich und freuten sich, dass ich Interesse hatte dort zu unterrichten. Ich hatte keine Ahnung was mich die kommenden Tage erwarten würde. Ich fuhr los mein geliehenes Fahrrad zurück zu bringen.

Im Hostel erzählte ich ganz begeistert, was passiert war. Und Nhean, der im Hostel arbeitete erzählte, dass er in dieser Schule selbst zur Schule ging. Lindsay, eine Schottin auf Weltreise, und mittlerweile eine sehr gute Freundin von mir, lauschte unserem Gespräch und fragte, ob sie mitkommen dürfe.

Nhean sagte, er bringe uns mit seinem Tuc Tuc hin, und würde dann seine Mutter dort besuchen. Er bastelte noch kleine „Pokale“ in Herzform. Dann schloss er seinen Anhänger an das Tuc Tuc und wir fuhren zum Markt. Ich wollte nicht mit leeren Händen zurückkommen, also kauften wir einen kompletten Anhänger voll Schulhefte, Bleistifte, Malfarben, Klebstoff, Buntes Papier, Radiergummi, Spitzer, Scheren. Badminton-Schläger, Bälle und Süssigkeiten.

Im Tuc Tuc begannen wir bereits die Bleistifte anzuspitzen, wir hatten 4 Säcke voll. Lindsay und ich verstanden uns auf Anhieb.

Wir fuhren durch die Dörfer und verteilten die Sachen an die Kinder.gerecht, für jeden das Selbe.

Als wir an der Schule ankommen, waren wir bereits angekündigt und wurden von strahlenden Kinderaugen empfangen.

Es waren 76 Schüler, einige standen auch draussen vor den Fenstern und Türen, da der Raum zu klein war. Die Kinder waren zwischen 4 und 12 Jahren. Die strahlenden Augen werde ich nie vergessen, als wir unsere Geschenke verteilten.

Englisch konnten sie nicht, obwohl sie, wie der Direktor uns mitteilte, die meisten schon einige Jahre Unterricht hatten. Das erschwerte die Sache. Wir gingen spielerisch ran und liessen die Kinder Masken basteln. So gab es eine Kuhgruppe, eine Schweinchengruppe, Katzen- und Mäusegruppe. Es vereinfachte die Sache in Gruppen zu arbeiten, bei der Menge an Schülern erheblich.

Wir machten eine Art Quiz, bei dem die Kinder in Gruppen gegeneinander antraten. Als Siegerehrung gab es die gebastelten Pokale von Nhean.

Die Tage in dieser Schule und in den Dörfern waren das absolute Highlight meines Lebens. Soviel Wärme und Dankbarkeit ist mir noch nie widerfahren. Nheang kam immer wieder vorbei. Wir schliefen in den Dorf bei seiner Mama. Papa nahm uns mit zum Fischen, kochten für uns mit, wir halfen bei der Zubereitung der Essen, spielten mit den Kindern. Man braucht nicht viel um Glücklich zu sein. Ein Mädchen fragte mich, ob ich durst hätte. Ich bejahte. Nach 3 Stunden kam sie mit einem Beutel Zuckerrohrsirup zurück, und entschuldigte sich, das die Eiswürfel auf der Fahrt hier her geschmolzen seien. Soviel Gastfreundschaft durften wir hier erfahren.

Am unserem letzten Abend machten sie ein Grillfest für uns, es gab Hund. Ich dachte erst es sei Ziege. Der Geschmack verriet es. Es war seltsam, dennoch so liebenswert, das Menschen, die nichts haben, so viel teilen. Das rührte mich zu Tränen.

Zurück in der Stadt gönnten Lindsay und ich erstmal ein Bier und lesen die wunderbaren Erfahrungen Revue passieren. Ich fuhr am nächsten Tag zurück nach Thailand, für den Visaantrag für Vietnam war es nun zu spät.  Lindsay und ich sind bis heute Freunde und trafen uns in Thailand und Irland wieder.

Cambodia, die schönste Erfahrung meines Lebens. 

Weiter geht die Reise hier.