Project Description

Ein Tag in Rangon

10 Stunden im „Tesco-Lotus-Supermarkt“ in Ranong bei der Handyreperatur.

Ein ganz normaler Tag in Asien.

Ein kleinwüchsiger Thailänder in Hochwasserhosen und runder Brille sinkt im typischen Tonfall „savadeeeeee kaaaaab“ als ich an seinen kleinen Handystand trete. Der Supermarkt ist im grellen Neonlicht beleuchtet, sodass die ohnehin schon hell gebleichten Thaimädels noch fahler wirken.
Als ich den kleinen Herrn frage, ob er mein Handy reparieren kann, verschwindet er unter seinem Tresen hinter der Handyauslage in der duzende I Phones ausgestellt sind. Allesamt haben daneben ein Schild in thailändischer Schrift. Darunter steht „oginal Apple“ – fast könnte man glauben, das es nur ein Schreibfehler ist, doch dem Apfel fehlt der Biss. Ich schmunzle als er wieder auftaucht. „There‘s the bite missing in the apple logo“
Er antwortet kopfschüttelnd: There‘s many Byte miss-32 byte!“
Dann duckt er sich wieder und spielt in seinem Handy weiter, aus dem die asiatische Version vom Tetrislied ertönt.
„Can you repair my I Phone?“
Kurz schaut er auf, sein Kopf färbt sich rot, spricht etwas in sein Mikrofon, dann die Übersetzung aus seiner App, die mir „English no“ vorliest.
Die Dame in Burka vom Huawei Stand gegenüber tippelt auf ihren Highheels zu uns rüber, ich glaube unter ihrer Verschleierung versteckt sich ein Lächeln als sie fragt“ Can help?“
Ich nicke und zeige auf mein Telefon. „Ah I phone“ sagt sie. Geht zurück und zeigt mit ihren herausgewachsenen glitzernden Gelfingernägeln auf das Huawei Schild und singt „Huaaaaawei!“ Der kleine Mann scheint seinen Highscore geknackt zu haben. Jetzt hat er Zeit für mich „I Phone no work?“
Na endlich. Problem verstanden und Problem gelöst liegen aber noch weit auseinander. „You sit here.“ Und zeigt mir an der Uhr, das er dafür sicher bis 6 h braucht. Es ist Mittag.
Ich lasse mir eine Art Abholschein geben und gehe zu der Dame nebenan, die noch die Creme des Bleichmittels im Gesicht hat. Ich fühle mich plötzlich sehr farbig unter all den Bleichgesichtern. Sie rührt in einem Topf aus dem ich Brühe riechen kann. Vor ihr liegt ein zerflettertes Hühnchen. Daneben in der Auslage sind Nudeln. Auf dem Schild oben stehen mehrere Gerichte, alle unter 1€. Lesen kann ich davon keins. Viel schief gehen sollte hier nicht.
Ich zeige auf den Topf und frage „Noodlesoup?“ Sie nickt und ohne jede Mimik und zeigt sie zu den Stühlen. Wenige Minuten später habe ich einen „Karottensalat“ mit Erdnüssen auf dem Tisch stehen. Auch gut. Beim ersten Biss, bleibt mir die Luft weg. Mein braungebrannter Kopf färbt sich dunkelrot. Es war Sellerie, Orange gefärbt durch Chilli. Ich kurz vorm Sterben, ein hysterisches Mädchen in Schuluniform neben mir, die plötzlich Hände fuchtelnd Irgendwas wie „Ambulancia“ schreit. Ich, immer noch ohne Stimme zeige auf die Milch vom Coffee Shop. Die Kleine Frau mit Blümchenkopftuch dahinter nickt und bringt mir hastig eine Scheibe Limette.
Ich zahle, bevor der Krankenwagen kommt und geh in den Supermarkt zum Kühlregal. Mein ganzes Gesicht brennt und kribbelt. Und noch bevor ich der Kassiererin den 50 Baht Schein entgegenstrecke, habe ich den Liter Milch geext.
Ich geh zurück zum „Apple Store“ -wie gerne würde ich in einen der Äpfel beißen, dass das brennen nachlässt.
Der kleine Mann hat mein Telefon bereits zerlegt, daddelt aber weiter Tetris. Er schaut mich an, schaut zur Uhr und sagt:“Too ealy“ in der gewohnten Melodie. Ich geh zurück in Supermarkt und schau, ob ich noch was für Myanmar brauchen kann. Es ist schweinekalt, die Klimaanlage läuft auf Hochtouren. Im Hintergrund läuft eine Weihnachts-CD mit Jingle Bells und Rudolph, the red nosed reindeer. Meine Gesichtsfarbe ist wieder in Normalzustand. Etwas blau dafür die dreckigen Füße in den Flipflops.
Ich beschließe Unterhosen zu kaufen, da bei jeder Wäsche mit Schwund zu rechnen ist. Von „Hello Kitty“ bis „Spider-Man“ Unterwäsche ist alles zu haben. Da es für die Vorstellung Spinnenweben zwischen den Beinen zu haben, noch etwas zu früh ist, entscheide ich mich für schlichtes bequemes dunkelgrau ohne Schnickschnack. Ich beuge mich runter zu den Dreierpacks. In optimaler Höhe um den herumstehenden Thaimädels auf ihre winzigen Hintern zu schauen, entscheide ich mich für XL.
Durchgefroren gehts zurück an die Kasse.
Eine Schachtel Zigaretten später ist der Kerl in Hochwasserhosen auch schon fertig. Ich bin immer noch durchgefrorenen von den eisigen Temperaturen im Lotus-Shoppingcenter. Dafür kann ich mich jetzt mit meine überdimensional großen Riesenschlüppern bis zu den Nippeln zudecken. ?