Project Description

Endlich Südamerika.

Ich hatte wieder Bildungsurlaub beantragt um Spanischunterricht zu nehmen. Und um extra Wochen in Südamerika zu haben, suchte ich mir eine Schule in Peru aus.

Also flog ich Anfang Januar 2015 nach Lima. Meinen Rückflug hatte ich 14 Wochen später von Guayaquil in Ecuador. Der Flug ging mit Ryanair nach Madrid, dort blieb ich 4 Tage, weil ich die Stadt noch nie gesehen hatte. Von dort aus ging es über Quito/Ecuador nach Lima, der Hauptstadt Perus, weiter. In Lima angekommen hatte ich gleich eine Nachricht auf dem I Phone: „Das Telefon ist zu heiss und muss erst abkühlen. “ Wunderbare Nachrichten.

Ich hatte mein Hostel in „Miraflores“ in der „Colonel Inclan 399“ Strasse. Mit dem kreativen Namen „Hostel Lima“. Das Hostel war ganz nett und hatte eine wunderschöne Dachtrasse, auf der leider eine Baustelle war. Da ich nochmal nach Lima auf der Rückreise nach Ecuador zurück kommen wollte, verbrachte ich nur einen Tag am Strand hier und sah den Skater-Jungs zu.

Ich hatte noch 6 Tage bis zum Schulbeginn in „Cusco“ und fuhr daher am nächsten Tag nach „Huacachina“ in der Provinz „Ica“ zum Sandboarden. „Huacachina“ ist Quechua, die alte Sprache der Inkas und setzt sich aus „China-Frau“ und „Huaca-heiliger Ort“ zusammen.

In mitten einer Wüstengegend gibt es hier eine kleine Oase, umgeben von Palmen. Rundherum reihen sich leider nur Touristencafes, Hostels und Restaurants, was den Ort für mich etwas unattraktiv machte. Es lohnt sich allerdings, früh morgens vor Sonnenaufgang, wenn der Ort schläft auf die umliegenden Sanddünen zu steigen und auf die Oase zu blicken, und die Stille bei diesem wunderbaren Ausblick zu genießen.

Am gleichen Tag ging ich Nachmittags Sandboden mit einer Horde verrückter Australiern. Abgefahren, wenn der Buggy über die Dünen bricht. Einer der Australier meinte er müsste den heftigsten Abhang im Stehen runter, und brach sich gleich den Arm, dieser Trottel.

Ich hatte mal einen Bericht über die Linien von Nasca gesehen und war fasziniert. Das sind riesige Geographien mit über 20 km geraden Linien, Dreiecken, Trapezen und mit Figuren von mehreren Hundert Metern Grösse. Abbildern von Affen, Vögeln, Menschen, Insekten oder einem Wal. Wie diese Linien genau entstanden sind, ist bis heute ein Rätsel, irgendwie wurde die obere Gesteinsschicht entfernt, doch wie? Da sie ja auch nur vom Flugzeug aus aufgrund ihrer Grösse erkennbar sind, stellt man sich die Frage, wie sie damals so genau „gezeichnet“ wurden? Man geht davon aus, das es sich um Fruchtbarkeitsrituale handelt, die zwischen 800 und 600 v. Chr. angelegt wurden. Heute gehören sie durch den Einsatz der Deutschen „Maria Reiche“ zum Weltkulturerbe.

Nasca war von Huacachina nur unweit entfernt. Für mich war das ein kleiner Traum, und ich schaute vor meinem Abflug sämtliche Reportagen darüber an, weil es mich nicht losließ, wie die Menschen diese Bilder damals in den Boden bekamen, so dass sich das bis heute hielt. Und vor allem wozu das Ganze? Es gibt zig Theorien darüber, auch das Aliens im Spiel waren, ich persönlich schliesse diese Theorie aus .

Der Flug kostete um die 60 $. Mit einer kleinen klapprigen Maschine mit 4 weiteren Passagieren an Bord flogen wir über die unendlichen Weiten dieser Gegend. Durch ein Headphone erklärte der Pilot auf Spanisch, wo und welche Figuren gerade zu sehen sind. Dann fragte er immer, „Habt ihr es gesehen?“ Und ich sah NICHTS. Linien ja, aber Figuren? Tiere? Ne. Dann drehte er um und schwenkte das Flugzeug senkrecht, und fragte nochmal. Mir wurde kotzübel. Wieder musste ich verneinen. Die anderen Passagiere nickten einstimmig. Und nochmal, und ja, plötzlich konnte ich die Spinne, einen Affen, die Spirale, einen Babydinosaurier, die Hände und den Baum sehen. Lang nicht so deutlich, wie in den Reportagen, aber unglaublich beeindruckend. Es ist ein unglaubliches Gefühl über dieses Wunder, bzw. dieses Mysterium zu fliegen. Die Flaue im Magen war nicht nur auf das Flugzeug zurückzuführen. Ich bin immer noch geflashed davon und schaue auch heute noch regelmässig News, ob es dazu neue Erkenntnisse gibt.

Abends sollte mein Nachtbus nach „Cusco“ gehen. Die Abfahrtszeiten verschoben sich allerdings stündlich und so setzte ich mich an einen der Food-Stände draussen und schaute die Partie „Peru-Ecuador“ des South-American-Cups an. Neben mir sass ein Clown, und aß Suppe. Ich musste so loslachen. Ich musste an den „Suppenkasper“ denken und fand die Situation so absurd und komisch, mit einem Clown, in den Strassen von Nasca, Suppe essend Fussball zu schauen. Wer mich kennt, weiss, dass es eine Weile brauchte, mich wieder einzukriegen.

Die Busfahrt hab ich nicht mitbekommen. Ich hatte immer noch Muskelkater vom Sandboarden und den Jetlag bislang ignoriert, sodass ich die Fahrt durchschlief.

In Cusco angekommen checkte ich in eins der billigsten Hostel ein und teilte einen Schlafsaal mit 15 anderen Personen für zwei Nächte. Damals wusste ich nicht, dass es sich bei den Hostels „Loki“ um Partyhostels der wildesten Art handelt. Im Nachhinein bin ich sicher, das war von „loco-verrückt“ abzuleiten, und der Fehler lag auf meiner Seite. Ich war mit grossem Abstand die Älteste, und da in meinem Zimmer, immer wenn ich schlafen gehen wollte, in einem anderen Bett gevögelt wurde, beschloss ich mir einen Pitcher Cuba Libre zu kaufen und mitzufeiern. Immer wieder hörte ich Sätze wie „Krass, dass du in deinem Alter noch reisen gehst“  Ich war besoffen, wie mit Anfang 20. So fühlte es sich nicht mehr so komisch an, hier zu sein, und irgendwann störte es mich auch nicht mehr das mich die rhythmischen Bewegungen des Pärchens im Stockbett über mir mich in den Schlaf wiegten.

Cusco ist eine wunderbare gepflegte Inka-Stadt und lebt durch die Nähe zu Machu Piccu vom Tourismus. Die Stadt liegt in den Anden auf einer Höhe von 3416 Metern und die Luft wird dort schon dünner. Das bemerkt man vor allem Anfangs, wenn man nach wenigen Stufen Fussweg schnell kurzatmig wird.

Auch Cusco ist ein Wort aus dem Quechua und bedeutet „Nabel der Welt“. Die Stadt wurde um das Jahr 1200 gegründet und entwickelte sich heute zum kulturellen Zentrum. Das Reich „Cusco“ wurde in vier Himmelsrichtungen unterteilt und im Andenkreuz werden diese als Balken dargestellt. Das Loch dort in der Mitte steht für Cusco. Früher gab es zwei Stadthälften, Ober- und Untercusco. Die ersten fünf Inka-Herrscher regierten die Stadt vom Unteren Teil aus, die nachfolgenden vom Oberen. Rund um die Stadt gibt es unzählige landwirtschaftliche Terrassen, die Inka-Terrassen. Auf ihnen wurde überwiegend Mais angebaut, der Fluss „Saphi“ (Quechua „Wurzel“) sorgte für Wasserversorgung in der Region.

1533 wurde die Stadt durch die Spanier geplündert und zu grossen Teilen niedergebrannt, Silber und Gold wurde eingeschmelzt und Tempel und Paläste abgerissen. 1650 und 1950 wurde Cusco weitere Male durch Erdbeben zerstört. Es gibt heute noch einige von den Inkas gebauten Mauern, die das „überlebten“. Die Steine wurden von Hand geschlagen und eingepasst, so akkurat, das zwischen den einzelnen Steinen nicht annähernd ein Blatt Papier passt. Die Stadt ist seit 1983 durch die UNESCO zum Welterbe erklärt worden.

Am Sonntag Abend klingelte ich bei meiner peruanischen Familie, die mich während meiner Schulzeit aufnahm. Felice und Vladi waren ein junges Ehepaar um die 40, die mit ihren beiden Kindern Esteban und Mateo in einem schönen Haus zusammen mit der Grossmutter wohnten. Ich wurde so unglaublich herzlich aufgenommen, dass es nicht schwer fiel, sich bei diesen lieben Leuten wohl zu fühlen. Ich hatte hier ein eigenes Zimmer mit eigenem Badezimmer. Das Haus war sehr modern eingerichtet und ganz anders als in meinen Vorstellungen. Nur war es richtig kalt Nachts, da es nicht üblich ist Heizungen zu haben. Am ersten Abend, als ich bei der Familie, ankam, die Nacht vor meinem ersten Schultag, bekam ich Plötzlich die Höhenkrankheit und über 40 Fieber. Ich ging runter in die Küche und machte mir Tee. Felcie stellte die Diagnose und gab mir Kokablätter zu kauen, ein Fieberthermometer und bedeckte mich mit einem Riesen Haufen Decken. Vier Stunden bibberte ich vor mich hin. Ich sah schon schwarz für den morgigen Schultag. Dann wurde mir plötzlich warm, fast schon heiss und alles war wieder gut.

Felcie begleitete mich am nächsten Tag zur Schule und schmierte mir Pausenbrote. Es war eine Deutsch-Peruanische Schule, die mit dem Tandem-System arbeitete. Ich musste 30 Stunden die Woche unterrichtet werden, damit es als Bildungsurlaub anerkannt wurde.

Ich hatte nicht wirklich eine Klasse, ich hatte vormittags einen Kurs bei Yessenia zusammen mit Karl, später stiess Samuel dazu. Nachmittags hatte ich Einzelunterrricht. Samuel und ich verstanden uns auf Anhieb, er war in meinem Alter und halb Peruaner. Er ist in Huaraz geboren, und hatte noch viel Familie in Peru. Er konnte aber kein Spanisch, das wollte er jetzt nachholen und sein Geburtsland bereisen.

Karl war erst süsse 19. Und er hatte es nicht leicht mit Yessina, unserer Lehrerin. Manchmal tat er mir schon fast leid, wie sie ihn aufzog und verwirrte. Er war so unschuldig und weltfremd, und bekam jedes mal einen knallroten Kopf, wenn sie erzählte oder ihm direkte Fragen stellte. Yessina war keineswegs das unschuldigste Lamm auf der Weide. Sie ging fast jede Nacht feiern und lies bei den Männern nichts anbrennen. Sie kam jeden Morgen mit etwas Verspätung in den Klassenraum gestürmt und entschuldigte sich mit dem Wort „Chicos“und schüttelte dabei den Kopf. Dann erzählte sie, wo sie Tanzen war, von Ex-Liebhabern und wen sie kennenlernte und sie kaum geschlafen hatte. Dann fragte sie, ob wir mehr wissen wollte. Karls und mein Kopf schüttelten in unterschiedliche Richtungen. Sie fragte Karl, auf welchen Typ Frau er stehen würde, und erwähnte dabei, dass sie Blonde Jungs sehr anziehend finde, wieder schoss die Röte hoch. Ständig klingelte ihr Telefon und sie war genervt, von Männern, die ihren Wunsch nach Ungebundenheit nicht verstanden. In der Mitte der Woche kam Samuel mit in unseren Kurs und die Jungs teilten sich ihre Aufmerksamkeit.

Am Ende der Woche machten wir einen Schulausflug. Erst Besuchten wir „Tipon“, hier standen lehmhaltige Ruinen aus der Vorinkazeit, anschliessend gingen wir dann zum Meerschweinchen „Cuy“-Essen.

In Tipón fühlt man sich Jahre zurückversetzt und ist fasziniert von der Bauweise der Leute vor der Inkazeit. Wenn man länger in der umliegenden Gegend von Cusco ist, kann man sich einen Touristenpass holen und bekommt dann viele Sehenswürdigkeiten und Inka-Stätte ermässigt.

Ich freute mich aufs Essen. Ich erwartete Fleisch auf dem Teller, doch das Essen hatte einen Gesichtsausdruck. Das Meerschweinchen war im Ganzen,- mit Pfötchen, Augen, Zähnen, alles dran, ausser Fell.Es war etwas befremdlich, doch nun lag es auf dem Teller, und wollte gegessen werden. Die Festtags-Speise von Peru, und ich fand, das gehört zu so einer Reise dazu. Es schmeckte einfach nur geil, wie ein kleines Spanferkel, nur mit viel mehr knuspriger Haut. Vladimir, unser Hausmeister der Schule, der uns auf den Ausflug begleitete, bestellte uns Bier und Schnaps. Und davon reichlich. Wir waren eine Truppe von ca 12 Leuten.  Es war gerade mal nachmittag, und wir waren ganz schön betrunken.