Project Description

Hitchhiking Myanmar

Der südlichste Zipfel von Myanmar – Grenzübergang Rangon (Thailand) -Kawthaung (Myanmar)

Erster Eindruck, was fällt auf hier?

In Myanmar angekommen erinnerte mich in der Grenzstadt Kawthaung erstmal alles an Indien. Die Hautfarbe der Menschen war dort deutlich dunkler als die der Thais. Die Strassen waren voller Tauben, zerfallene dekorierte Reklametafeln schmückten das Stadtbild und am Rande das Hafens  reihten sich die heruntergekommenen Bauten.

Die Burmesinnen  haben meist das Puder der Thanakawurzel im Gesicht, oft auch am Dekolleté und and den Armen. Dies dient zum einen als Sonnenschutz und zum Anderen ist es ein Fashion Status.

Es macht die Haut weich wie ein Babypopo und riecht auch sehr angenehm. Für die Jungs ist es ein Ausdruck ihrer Sexualität, sie symbolisieren damit ihre Homosexualität, die in Myanmar sehr gut anerkannt sind.

Die Wurzel wird mit Wasser befeuchtet und auf einem Brett gerieben, bis eine schmierige Paste entsteht, die dann in verschiedenen Formen auf den Körper aufgetragen wird. Ein sehr ungleichmässiger Sonnenschutz der oft nur aus Kreisen und Quadraten besteht. Manche bemalen die Ränder sogar mit etwas Gold, das ist dann besonders fancy.

Kawthaung-  Myeik- Hitchhiking. Ob das meine schlauste Idee war? Sicher nicht, aber mit Sicherheit eine der Lustigsten. 

Ich kann Jedem nur wärmstens empfehlen einmal ein durch ein Land zu  trampen. Natürlich kann das auch gefährlich sein, aber was ist das nicht. Selbst wenn ich durch meine Kleinstadt in Ichenhausen laufe kann ich überfallen werden oder auf dem Kiez in Hamburg eine Flasche über den Kopf gezogen bekommen. Mein Vater sagte immer „Wer dich entführt, bringt dich spätestens nach 24 Stunden freiwillig wieder zurück.“ Na dann 🙂

Ich hab generell immer gute Erfahrungen gemacht, wenn ich mich drauf einlasse mit den  Landsleuten ein Stück des Weges zusammen zu gehen und mehr über sie zu erfahren.

Im Süden von Myanmar ist das etwas schwierig, da die meisten nur wenige Brocken Englisch können und die Kommunikation erinnert stark an eine Partie Scharade. Es folgt ein einstimmendes Kopfnicken oder ein ahnungsloser Blick, viele Zeigefinger, die auf bestimmte Gegenstände fuchteln. Kopfschütteln, dann irgendwann ein einstimmendes: AAAAAAHHHHH!!!

Irgendwie funktioniert es immer.

In Kawthaung angekommen machte ich mich erstmal auf die Suche nach einem Stück Karton, bei dem vielen Müll am Boden eine einfache Sache.  Dann lies ich mir mein Ziel „Myeik“ in der landesüblichen Schrift darauf schreiben. Ein hilfsbereiter Herr schreib auf mein grosses Stück Karton Myeik, in Schriftgrösse 10. Die Leute hätten mich also am Strassenrand erst überfahren müssen, um so nah zu sein, dass man es hätte lesen können.

Ok, nächster Versuch, ich fand eine Art Schreibwarenladen, naja, nennen wir es eine Garage, zugemüllt mit Werkzeug, einer Apothekenecke und einem Kühlschrank mit eisgekühlten Softdrinks und auf dem Tresen gab eis Eddings, Radiergummis in „Hallo Kitty“ Form und einige Anspitzer zu kaufen. Ich holte mit einen Edding für wenige Cent und bekam als Rückgeld einige Minzbonbons, da mein Schein zu gross war um rauszugeben.

Bonbonlutschend und schon ziemlich nass geschwitzt von der Affenhitze versuchte ich die Schrift zu kopieren. In einer lesbaren Grösse. Die kleine Verkäuferin schaute gespannt zu wie ich malte. Verschenkte ihre Arme, legte ihren Kopf darauf ab und folgte, indem sie ihren Kopf mal nach rechts, mal nach links drehte der Spur meiner Schrift.

Als ich fertig war zeigte sie nach draussen und sagte „Tree“? Ach herrje, ein falscher Bogen und das Wort in asiatischer Schrift bekommt eine andere Bedeutung. Sie drehte die Pappe um und schrieb es selbst. Myeik- in wunderschön geschwungener Schrift.

Dann sagte sie, „far“ und steckte mir einen eisgekühlte zuckersüssen Eistee in den Backpack und winkte.

Am Ortsrand angekommen…

Mit Schild, Minzbonbons und Eistee im Gepäck und ein paar schon braunen Bananen, die neben meiner Frisbee an den Schnüren meines Rucksacks baumelten lief ich triefend vor Schweiss die Berge hoch, die mich aus dem Örtchen rausführten und zum Rand der Stadt brachten. Dort hielt ich meinen Karton in Richtung der Fahrer und hielt meinen Daumen raus.

Fehler Nummer Eins. Wenn du willst, das jemand anhält, ist das eine ungünstige Variante. Ich bekam sehr viele Likes zurück. Manchmal liessen sie sogar beim Fahren das Lenkrad los und gaben mir beide Daumen hoch.

Wenn jemand anhielt, dann um mir mitzuteilen, dass der Busbahnhof, von dem die Busse in Richtung Myeik gingen, nur wenige Meter hinter mir war.

Keiner checkte natürlich warum ein blondes weisses Mädchen, bei diesen ungeteerten Strassen auf einen Truck aufspringen wollte, anstatt auf einem der gepolsterten und mit Plastikschonbezug überzogenen Sitze eines Busses Platz zu nehmen. Und was zum Henker sollte dieser Daumen hoch?

Google angeschmissen, bekam ich gleich mal Infos zum Trampen im asiatischen Raum.

Im nahen Osten ist der „Daumen hoch“ gleichzustellen mit unserem Mittelfinger. Gott sei dank passierte mir dieser Fauxpas nicht dort.

Angehalten werden Autos hier. indem man den rechten Arm steckt und die Hand mit gleichmässigen Bewegungen auf und ab bewegt.

Und siehe da, Taktik geändert, der erste Truck hielt an. Der Truck hatte die Geräusche eines Panzers, immer wieder knallte der Auspuff und die Innenverkleidung wackelte. Der Fahrer ein junger Typ meines Alters, der mächtig stolz auf seine Jeansjacke zu sein schien, eine Pilotenbrille trug und einen Longyi, den traditionellen Männerrock.

Myeik war nicht sein Ziel, aber ich verstand zumindest, das er in diese Richtung fuhr.

Nach 10 Kilometer stoppte er aber, um seinen Truck abzuladen.

Ich fragte ob er danach weiterfährt. Ich bezweifle, dass er das verstanden hatte. Er antwortete nur „sit down“ und gab mir hochkonzentriertes Red Bull.

Die Stecke nach Myeik ist nicht lang, aber durch den ungeteerten Weg zieht sich selbst die Busfahrt auf 11 Stunden. Es war bereits Nachmittag und mir war etwas unklar, was ich tun würde, wenn ich auf halber Stecke nicht mehr weiterkommen sollte. Im Süden Myanmar sind Unterkünfte rar und nur in den Städten verfügbar. Ich aber war in mitten der Pampa und trank meinen Energiedrink.

Die Bauarbeiter kamen alle, als würden sie zufällig genau jetzt und genau dort wo ich sass Mittagspause machen. Ich fragte, ob sie wüssten, ob ihr Kumpel nachher weiter Richtung Myeik fährt. Unverständliches Grinsen. Daumen hoch „aleman-good“ -so verliefen ihre Gespräche. Gegenseitiges zunicken, erneuter Daumen hoch, Live Mitschnitte über Facebock, bei denen ich „zufällig“ im Hintergrund jedes Videos war. Ich wurde versorgt mit Zigaretten und supersüssen Softdrinks. Nun kamen auch ihre Kinder aus allen Ecken um mich anzuschauen.

Der Fahrer deutete auf den Truck und lies mich einsteigen. Und bog genau in die Richtung ab, von der ich kam. „Stop, I need to go to Myeik“

„To far“ sagte er. „Kawthaung“ . Dachte er, er nimmt mich 10 km mit raus aus diesem Ort, um mich dort  für ein kleines Fotoshooting abzusetzen, um mich dann wieder mit zurück zu nehmen?

Ich bat ihn anzuhalten und versuchte es erneut.

Ich stand keine Minute, bis der nächste Truck anhielt.

Meine Mitfahrgelegenheit nach Myeik

Schild, raus, neuer Versuch. Meine verschwitzen Haare waren durch die vorherige Fahrt bei offenem Fenster zu einer Dieter Bohlen Frisur der 80er getrocknet.

Ich sah aus wie ein Pudel, der mit der Steckdose geknutscht hatte. Meine beiden charmanten Truckfahrer trugen eine perfekt gekämmte Gelfrisur und schicke weisse Hemden. Auch sie hatten ihre Longyis perfekt geknotet.

Ich hielt ihnen mein Schild unter die Nase, und beide nickten synchron und sagten lächelnd „Myeik“ und verwiesen mich auf die Liegefläche im Führerhäuschen.

Ich war todmüde, versuchte aber im Schneidersitz zwischen beiden Vordersitzen Smalltalk zu starten.

Es war nicht einfach bei den Strassen aufrecht sitzen zu bleiben, also sagten sie“Lady sleep“ und gaben mir ein Kissen und eine Decke nach hinten.

Trampen Deluxe.

Da lag ich also, supergemütlich auf der Matratze und schloss die Augen. Als ich gerade weggenickt war, weckte mich einer der Jungs: „Lady, smoke“ und reichten mir einen Aschenbecher, eine der „Gold“ Zigaretten und ein Feuer.

Ich folgte anstandslos mit etwas verwundertem Gesicht, dass sie mich dehalb weckten. Als ich die Zigarette gerade ausdrückte, meinten sie „Sleep, Lady“.

Gerade wieder eingekuschelt, ein erneuter Befehl “ Eat, Lady!“  und gaben mir zuckersüsses Rosinengebäck. Volle Wangen, den letzten Bissen am Schlucken „Sleep, Lady!“

Wie sollte ich bitte schlafen, wenn ich alle 10 Minuten geweckt wurde, um zu Essen, zu Trinken oder zu Rauchen?

10 Stunden „Lady Sleep!“ , „Lady, smoke“, „Lady, drink!“, und wieder von vorn- das war der englische Wortschatz meiner Fahrer. Zum Trinken gab hochkonzentriertes Red Bull, das Tote aufweckt, danach die Aufforderung zu schlafen, war etwas utopisch. Meine Augen waren selten so aufgerissen, nach mehreren Dosen Vollgaskoffein.

Wir kamen bei den ungeteerten Strassen nur sehr langsam vorwärts, auch hielten wir alle paar Kilometer, damit sie mich auf der Strecke Freunden und Verwandten vorstellen konnten, die sie auf der Strecke besuchten. Einige Fotos und weiteren Red Bulls, stiegen wir zurück in den Truck und hielten kurz drauf bei den nächsten Leuten. Alle unglaublich Gastfreundlich. Sie überhäuften mich mit Essen, Zigaretten und fragten Dinge, die ich Null verstand. Aber alle lächelten mich sehr freundlich an und wunderten sich, warum ich nur zurück lächelte, anstatt was dazu zu sagen.

Es war mittlerweile Mitternacht vergangen, wir hatten gerade mal die Hälfte der Strecke hinter uns. Ich hoffte das wir durchfuhren um in den frühen Morgenstunden Myeik zu erreichen.

Um ein Uhr Nachts stoppte der Truck und der Fahrer sagte, „Now we all sleep“. Ich stellte mich schon drauf ein auf einem der vorderen Sitze weiterzuschlafen, um dem Fahrer meine Liegefläche anzubieten. Doch er meinte, nur „on top“ und zeigte auf den mit Reissäcken vollgepackten LKW, dann verstaute er alle Wertsachen auf der gemütlichen Matratze und wir stiegen hoch zur Ladefläche um auf den Reissäcken zu pennen. Das Kissen gehörte nun seiner Oldschool-Reisetasche, die Decke, in der ich mich zuvor eingewickelt hatte bedeckte im Führerhäuschen unsere Taschen.

15 Grad, kurze Klamotten lagen wir nun nebeneinander auf den Säcken. Die 23 Flaschen Red Bull halfen so gar nicht einzuschlafen. Ich wünschte mir weich gekochten Reis unter mir. Am Besten warm noch vom Kochen. Ich beneidetet die Hühnchenteile, die mollig warm im Reisbett lagen. Die Säcke waren jedoch richtig hart und feucht vom Nieselregen, der uns die Stunden vorher begleitete.

Ich versuchte meine Augen zuzukneifen, doch das Koffein wirkte wie Streichhölzer zwischen meinen Augen. So lag ich da. und wenn ich kurz davor war ins Land der Träume abzutauchen, fragte einer der Jungs „Lady? You sleep?“ Das war´s dann auch schon wieder. Ich zählte Reiskörner. 14267 an der Zahl. Oft verzählte ich mich und startete neu, bis die Sonne wieder aufging und das rettende „Lady? Coffee? “ von links kam. Weiter ging´s.