Project Description

Ich bin im Zug- in Indien. 2 Wochen liegen bereits zurück, Tage voller Eindrücke, Ekelmomenten, Wut, Faszination und den Kopf voller Gedanken.

21.11.2012 – Olli brachte mich in Hamburg zum Flughafen, der Tag begann bereits mit Chaos, mein Netbook hatte einen Virus, meine neue Kreditkarte wurde erst am selben Morgen kurz vor knapp per TNT-Express zugestellt. Vor lauter schnacken vergassen wir umzusteigen, es wurde knapp. Ich genoss die letzten Minuten vor dem Check in mit ihm im Zug zu sitzen.

Caro war schon vor mir da, und sichtlich aufgeregt, sie hatte noch nie Europa verlassen und hat sich spontan entschieden mitzukommen, und dann gleich Indien 🙂 Ich war gespannt, wie sie sich schlagen würde, aber auch, wie ich mit dem krass gegensätzlichen Indien klarkommen würde.

Am Flughafen bekam ich eine SMS von Olli:“ Wünsch dir viel Spass und viele prägende gute Erfahrungen. Zum 10.Mal- Sei schön vorsichtig, bewahr nen kühlen Kopf und denk auch dran, dass nicht jeder das Beste für dich will! Aber du machst das schon, du bist ja was Globetrotter angeht ein altes Häschen :)-lieb dich!“

Ich war sehr verliebt, und frisch von Bayern nach Hamburg gezogen, es war das erste Mal, dass ich auf Reisen ging, und wusste dass ich was vermissen würde. Das war bisher anders.

11.45h Unser Flieger startete. Eigentlich hatte ich mir keinen richtigen Plan gemacht, ja- es gab ein paar Dinge, die ich sehen wollte, aber alles nix konkretes.

Ich wollte Delhi erkunden, den Taj Mahal sehen, in Varanasi das Treiben am Ganges beobachten und mich dann weiter im Süden an den Stränden erholen, ausgeglichen und vom Reis essen mit 5kg weniger auf den Hüften braungebrannt und voller bezaubernder Eindrücke zurückkehren.

Ich freute mich aufs Bordprogramm und hoffte zum sechsten Mal den Versuch zu starten „Inception“ zu sehen, das Jahr zuvor im Flieger nach Thailand bin ich immer in den ersten Minuten eingeschlafen. Fliegen wirkt für mich wie Baldrian, 1,2,3 weg….

Das Entertainmentprogramm war ausschliesslich arabisch, Caros TV ging gar nicht.

4.55h Ortszeit, unser Flieger war endlich gelandet. Wir waren voll im Sack und gespannt ohne Ende. Wir mussten durch die Visa- und Arrivelcard-Kontrolle, schon am Flughafen ging das Begaffen der Männer los. So muss sich ein Marsmensch auf der Erde fühlen, da hätte ich die Blicke verstanden. 2 Blondinen in Indien -Klasse Idee. Als wir passieren konnten, wartete draussen eine Scharr kleiner dunkelheutiger Männer mit Hotelnamen oder Namen der Gäste. Auch wir hatten einen davon gebucht, der uns ins Hostel bringen sollte, und da wir ihn erst nicht finden konnten, weil er nochmal einen Kopf kleiner war als seine Kollegen, liefen wir hin und her, wie auf einem Laufsteg, und die Jury hielt die Tafeln hoch. Sehr unangenehm. „Miss Carolin“- das war unsrer.

Wir freuten uns so auf ein gemütliches Bett, schlafen, duschen, Essen, Bier. Genau diese Reihenfolge.

Zum ersten Mal auf indischen Strassen,wurde uns sofort klar, -hier gibt es keine Regeln, Das wichtigste ist Hupen,- und ja nicht bremsen. Die Hupen sind in Dauerbetrieb, das ging uns gleich auf den Sack. Hupe betätigen können ist die Fahrerlaubnis. Dem Lenkrad nach zu urteilen ist in Indien Linksverkehr, aber auch das juckt hier niemanden. Jeder fährt wie er lustig ist. Aus einer zwei spurigen Autobahn, werden 6 Spuren gemacht, Rikschas, Kamele, Fußgänger Mofas, Bullen und Kühe, sogar ein Elefant findet dazwischen Platz. Man fragt sich ein bisschen, wie viele täglich im Strassenverkehr ums Leben kommen, aber irgendwie scheint es zu funktionieren. Trotzdem etwas lebensmüde, aber wenn man im Hinterkopf hat, man wird eh wieder geboren, scheint das nichts auszumachen. Anschnallgurte gibt es nur für den Fahrer und der darf, wie er uns mitteilte sogar betrunken sein. Das erklärte seinen Fahrstil.

Nach knapp 40 Minuten kamen wir dann in den schäbigsten Teil von Delhi an. Die Strassen wurden zu Feldwegen, Fenster fehlten überall an den Häusern, die Leute voll mit Dreck und barfuss.

Es war mittlerweile 7 Uhr morgens, über der Stadt hing ein dichter Nebel, der Staub der von den Rikschas in die Luft gewirbelt wurde. Die Stadt lag mystisch vor uns, auf der Strasse ausschliesslich Männer, die die Stände für den Markt aufbauten, wir waren auch hier die Attraktion an diesem Morgen. Insgesamt zählten wir 6 Auffahrunfälle aufgrund des Gaffen. Wir bogen in eine noch unheimlichere Seitenstrasse- Caro konnte man ansehen, das das hier nicht gerade ihr Wohlfühlort ist. Auch ich empfand die immer mehr runtergekommene Gegend beängstigend. Ich war mir sicher, wir führen von hier in eine Backpacker-Gegend, irgendwohin wo etwas mehr Tourismus ist, doch genau hier sagte unser kleiner betrunkener Kamikaze-Fahrer: „Here´s your Hostel!“ Und wir nur „FUCK“. Es ging in einen schmalen Hinterhof, überall mischte sich ein Geruch aus Urin, Gewürzen, Erbrochenem, Vergammeltem, Müll und Sandelholz. Ich war froh, meine Chucks zu tragen und hier nicht schon meine Flip Flops ausgepackt zu haben. Der 1 Meter breite Gang führte uns in einen weiteren Hinterhof. Hier könnte man 2 Blondinen unbemerkt verschwinden lassen, nicht mal der Verwesungsgeruch würde auf uns aufmerksam machen. In einer kleinen Nische schlief ein Mann mit mit seiner 6 köpfigen Familie. Die Nische war etwa so gross wie eine Standart-Flugzeugtoilette. Die Armut der Leute fand sich in jedem Winkel dieses Ortes. Auf Armut und Leid war ich gefasst, nichts was ich in Cambodia zuvor noch nicht erlebt habe, aber hier war es der Gesamteindruck im Zusammenspiel mit den Gerüchen und Müllbergen, der die Situationen der Menschen noch unterstrich. Der Eingang unseres Hotels erinnerte mich an einen billigen Drogenpuff. Überall blaue Neonbeleuchtung, blinkende Lichterketten, dazu Schwarze Möbel, und abgeschabte Ledersofas, die weißen Wände leuchteten im Schwarzlicht. Der Besitzer des Hotels, lag schnarchend auf dem speckigen Sofa.

Er brachte uns ins Zimmer. Die abgebrochenen Fliessen des Treppenaufganges waren glatt und rutschig durch den Schmierfilm. Fliegenschwärme freuten sich über schimmlige Essensreste an jeder Ecke des Flurs. Unser Zimmer sah keineswegs besser aus. Es war gruselig. Wir gingen hinein und sperrten zu. Ich schmiss mich aufs Bett und hätte mir beinahe sämtliche Knochen gebrochen. Steinhart! Die Wolldecken bekommt wohl jeder Gast immer wieder ungewaschen aufs neue. Wie viele Leute hier wohl schon reingepupst haben? Egal, wir waren todmüde, ich drehte mich auf den Bauch stopfte die Hände unters Kissen und fand… die Unterhose unserer Vermieterin..

Gegen 14 h wurden wir wieder wach, ich hatte pochende Kopfschmerzen. „welcher Volltrottel hat dieses verdammte Kissen mit Beton gefüllt?“ Wir beschlossen rauszugehen und uns schnellstmöglich eine andere Ecke in Delhi zu suchen, -die Kakerlaken waren einverstanden.

Als wir in die Lobby kamen erklärte uns der nun ausgeschlafene Kerl, das wir zu einer sehr ungünstigen Zeit in Indien sind, da Ferien sind und die Inder durchs eigene Land reisen und die Zugtickets schon lange im Voraus ausgebucht sind. Das wird wohl allen zu jeder Jahreszeit erzählt, wie ich später erfuhr. Draussen waren die Strassen nun bunt, sahen freundlicher aus und der Markt hatte den trüben Strassen Leben eingehaucht. Wir schlenderten durch die Strassen und fanden eine Touristeninformation, und gleich einen freundlichen Herrn, der uns einen 1 wöchigen Kompletttrip durch Nordindien für schlappe 1340 € anbot. Damit kann man hier locker 5 Monate gut durchkommen. Die Zugtickets nach Agra und Varanasi seien wohl alle ausgebucht, und wir nahmen uns hierfür einen Fahrer für einen Bruchteil des Preises, der uns von Delhi nach Jaipur, von Jaipur nach Agra brachte, von dort bekommen wir einen Zug nach Varanasi und weiter nach Mumbai und Goa. Sicher viel zu teuer, aber im Nachhinein ist man immer schlauer…

Wir besichtigten noch einige Monuments, führen durch den Verkehr, der sich bei Tageslicht, nochmal aufs doppelte verdichtete. Wir waren auf der Suche nach was zu Essen und einem kühlen Bier. Wir schlenderten durch die Märkte, oberhalb kleiner Läden konnte man in die Wohnungen der Leute blicken, die Gebäude sahen aus wie Jahrhunderte alte Ruinen. Es gab weder Fenster noch Dächer, innen konnte man kaputte Matratzenstapel erkennen. „Hallo,-how are you? Where you going? Madame Taxi?“ oder „Nice ass!“ erklang bei jedem Schritt. Die bettelnden Leute, lösten ein beklemmendes Gefühl aus, ein Blick als würden sie heute noch verhungern, wenn wir nichts geben würden. Der Staub kratze im Hals. Wir fanden ein chinesisches Restaurant, ein Indisches fanden wir nicht, so trieb uns der Hunger durch die Türe. Suppe, Hauptspeise, extra Reis und jeweils 2 Getränke für gerade mal 4 €. Das Bier lies noch immer auf sich warten. Wir fanden eine Roofbar, laut Reiseführer der grösste Drogenumschlagplatz Delhis, wir erhoffen uns Bier. Es stand nichts auf der Karte, auf Nachfrage sagte der Kellner, „Sure, but it´s not really a beer, it makes you happy!-its special“ OK, der Trip durch Indien ohne Trip reichte uns vollkommen, aus der Traum, des kühlen Blonden.

Am übernächsten Tag ließen wir Delhi hinter uns. 7.30h holte uns der Fahrer wie versprochen ab, um uns nach Jaipur-in die „pinke Stadt“ zu fahren. Die Nacht zuvor war sehr ruhelos, Bollywoodgesänge, und Würgegeräusche, der auf die Strasse spuckenden Männer vor unserem Fenster, dazu das Bett…

Nach ein paar Kilometern schon platzte uns bei voller Fahrt der Vorderreifen. Mohamed- unser Fahrer wechselte den platten Reifen mit Hilfe eines verrosteten Wagenhebers aus Kriegszeiten durch einen Halbplatten aus. Mit dem Ersatzreifen führen wir zur nächsten „Autowerkstatt“ -ein Typ am Strassenrand mit Luftpumpe und Klebstoff, der sich damit selbständig gemacht hatte und sogar dafür ein Schild am Strassenrand anbringen lies, um den alten Reifen flicken zu lassen und ihn wieder auszuwechseln. Er war damit definitiv der King der Strasse. Wir sassen währenddessen am Strassenrand und beobachteten das Treiben, – Rikschas, Männer die mit blosser Muskelkraft Anhänger vollgepackt mit diversen Lasten zogen, bezaubernde Frauen die mit ihren wunderschönen Saris riesige Schüsseln und Säcke auf ihrem Kopf mit atemberaubenden schönen langem Haar trugen, Bullen, Hunde und Kinder, die den Highway überquerten. Alles erstrahlte in farbenfrohem Bunt, selbst die lästig hupenden Lastwagen sind mit Blumen und Girlanden verziert, angemalt und mit glitzerndem Lametta behangen. Daneben am Strassenrand die aufgestauten Müllberge, Plastik soweit das Auge reicht, schaut man weiter sieht man duzende Inder einfach nur gelangweilt rumsitzen, anstatt ihre eigene Haustüre vom Müllberg zu befreien. Die Tiere essen die Essensreste und die Kinder spielen darin.

Angekommen in Jaipur änderte sich das Bild nur dezent, vor unserer Unterkunft ist über die Jahre ein Berg aus Müll entstanden, zwei Kühe suchen sich darin Delikatessen, Fliegen fühlen sich wohl, Uringestank hing in der Luft. Die Luft ist bereit, geschnitten zu werden. Unser Zimmer ist hingegen sehr schön. Wir stellten unser Gepäck ab und machten uns auf den Weg um Kaffee zu suchen.

In Indien ist es ganz einfach, hat man Etwas, ist man Etwas. So wird man mit dem Besitz eines Stuhls und einer Schere zum Friseur, mit Nadel und Faden zum Schneider, mit einem Waschbrett zum Textilreiniger. Alles passiert auf der Strasse per Hand, jeder Nadelstich, jeder Druck, gebügelt wird mit einem Bügeleisen mit Kohle, das Wasser wird vom Brunnen geschöpft. Hühner werden in viel zu kleine Ställe gepfercht, und auf offener Strasse wird ihnen der Kopf abgehackt.

Körperkontakt entsteht immer, den wer dich wahrnimmt, möchte dich anfassen. Kurz stehen bleiben, um sich zu orientieren wird umgehend zu einer nervigen Angelegenheit, sofort bildet sich eine Traube Menschen um dich, macht Fotos, betatscht dich, und alle schnattern wild durcheinander. Es ist nicht leicht, einfach mal kurz stehen zu bleiben und durchzuatmen, nach dem nächsten Kaffeehäuschen Ausschau zu halten, ohne dabei angesprochen zu werden. Die Leute sind meist freundlich und möchten nichts Böses, doch es ist zeitweise sehr anstrengend.

Asiaten spucken, bei jeder Gelegenheit, und Inder scheinen dies perfektioniert zu haben, man könnte annehmen, es gebe einen Geheimen Contest, wer wohl aus der tiefsten Ecke seiner Bronchien den grössten und beeindruckendsten Grünen hervorholen kann. Und jeder scheint fürs Finale zu üben.

Eine zweite Disziplin besteht in der Zubereitung einer Mixtur aus Ohrenschmalz und Nasenpopeln, und Wildpinkeln. Einmal fragte ich eine Frau am Strassenrand nach dem Weg, sie hatte wunderschönes langes schwarzes Haar, war sehr gepflegt im Erscheinungsbild, behangen mit glitzerndem Schmuck und hatte einen atemberaubenden Sari an, bestickt und mit Steinen versetzt. Sie schaute mich an, ihr Gesicht wirkte plötzlich angestrengt und angespannt. Ich sagte, es sei kein Problem, wenn sie es nicht wüsste, ihr Gesicht blieb unverändert. Ihr Gesicht faltete sich weiter, ich wusste nicht, ob sie einfach angestrengt überlegt, wie ich da wohl hinkäme, dann lief sie weiter und hinterließ ohne ein Wort, eine Pfütze, darin ein wohlgeformtes Häufchen.

Die Leute sind sehr Laut, egal was sie tun, so werden die Füsse beim Laufen nicht vom Boden angehoben, ein ständiges Geschlörpe in den Strassen.

Unser Fahrer zeigte uns noch ein paar Sehenswürdigkeiten, unter anderem den Jal Mahal in Rajasthan, ein im Wasser gebauter Palast, der wohl als Vorbild für das Taj Mahal galt, auf einem Berg stiegen wir zum wunderschönen Sonnentempel und konnten dort beobachten wie die Sonne in der Stadt versank. Unser Fahrer hatte seinen Kumpel dabei, was uns ganz recht war, da wir uns so nicht so verpflichtet fühlten, er war eine Art indischer John Travolta, packte seine 10 auswendig gelernten Fragen auf Englisch aus, und verstand dabei aber keine Antwort, so lies er bald von uns ab. Die Aussicht war fantastisch und entschädigte jede Stufe. Kinder liessen oben selbstgebastelte Drachen steigen. Kein Gehupe, kein Geschlörpe, -Ruhe.

Als wir wieder unten waren hatte Mohamed uns bereits einen detaillierten Tagesablauf mit Sightseeingtour für den morgigen Tag ausgearbeitet. Doch wir wollten einfach für uns sein und die Stadt erkunden und uns treiben lassen. Wir fragten ihn, was er von einem freien Tag hält und wir und wir kämen dann übermorgen auf ihn zurück um weiter zu kommen. Mohamed freute sich, wie Dschini, der endlich seiner Lampe entkommen dürfte.

Caro und ich hatten uns kurz vor der Abreise eine Spiegelreflexkamera gekauft, Ein simples Einstiegsmodell, mit dem ich heute noch fotografiere und wollten euch die Strassen ziehen und diese ausprobieren.

Laut Caro´s Reiseführer gab es hier gerade mal einen kleinen Bereich, indem es drei Cafés, eine Bar und ein paar Restaurants gab. Auch hier war kurz stehen bleiben keine Option, man war immer umzingelt, und überall wurde die Hand aufgehalten oder was zum Kauf angeboten.

Das erschreckendste, befremdlichste und traurigste war, als wir an einer Gruppe von Leuten vorbei gingen, darunter eine Frau mit neugeborenem Kind im Arm, sicher nur wenige Wochen alt, mir das Bündel mit ausgestreckten Armen vor die Nase hielt und sagte: „buy, buy !“ Wir standen nur da mit Gänsehaut und Schauer über dem Rücken. Wie ausweglos muss sich eine Frau fühlen, um ihr Kind verkaufen zu wollen.

Um so weiter man sich vom Stadtkern entfernte, desto schäbiger wurden die Ecken, Kinder arbeiteten, schweissten Metall, feilten Holz, klopften Putz von den Wänden, strichen und fegten, und wurden dabei von in der Ecke sitzenden Erwachsenen beobachtet und getadelt, wenn sie zu langsam waren bei ihrer Tätigkeit. Blutspukende Leute eilten an uns vorbei, und uns war ungewiss, ob es an selbstgezogenen Zähnen lag oder an einer ernsthaften Lungenerkrankung. Viele Familien schlafen hier nacht draussen, die Temperaturen neigen sich in dieser Jahreszeit gegen Nullpunkt. eingewickelt in Zeitungspapier um die Kälte der Nacht vom Körper zu halten. Es war schwer in diesem verwinkelten Stadtteil, wo dich die Leute unbewusst immer tiefer drängen, zurück zu finden, die Beschilderung war in indischer Schrift, die Nacht brach ein und es wurde hier in der angehenden Dunkelheit immer unheimlicher. wir liefen ständig im Kreis, kamen immer wieder an den selben Ecken raus und wollten nur noch zurück. Wir fragten einen Rikschafahrer nach dem Weg, und bekamen einen teueren Teppich angeboten. Ein kleiner Junge, der offensichtlich hier zur Schule ging, führte uns zum indischen Kaffeehaus in einem etwas angenehmeren Viertel und war sehr stolz seine wenigen englischen Wörter, die er gelernt hatte, anbringen zu können. „The Best Indien Coffee“ versprach das Schild, der erste unserer Reise. Vielleicht war der Kaffee wirklich gut, doch die saure Milch, die wie Frischkäse auf der Oberfläche schwamm, hinderte uns daran, es herauszufinden.

Am nächsten Tag führen wir weiter mit Mohamed nach Agra zum Taj Mahal. Beim Frühstück vor der Abfahrt erzählte er von seinem genialen freien Tag , er war auf dem Muslimfestival und kurioser Weise wohl seeehr betrunken. Die fahrt nach Agra war wenig spektakulär.

Im nächsten Hostel gab es schon wieder kein W-LAN, ich fragte mich, wie es Olli wohl ginge zuhause allein. Es war nachmittags und wir wollten raus auf die Strasse und uns Agra anschauen, jeder warnte uns, wir wären hier in einem sehr gefährlichen Teil der Stadt und nach 16 Uhr sei es zu gefährlich sich hier alleine nach draussen zu bewegen, Kriminalität, sexuelle Übergriffe an Touristen, seien hier kein Einzelfall. Wir holten uns viel Bier vom Kiosk und legten uns aufs Dach unseres Hostels und genossen das Treiben der Strassen hier.

Der Taj Mahal: 1632 starb die zweite der drei Ehefrauen des Monguls, ihr Name war Mumtaz Mahal. Sie und der Mogul lernten sich auf dem Markt kennen, er war von ihrer Schönheit fasziniert und schenkte ihr einen mit schwarzen Steinen besetzten Ring als Zeichen seiner Liebe und Zuneigung und sie nahm ihn an. Der Mogul führte noch zwei weitere Ehen, sein Herz gehörte aber einzig und allein Mumtaz. Die beiden anderen Frauen heiratete er aus politischen Gründen. Damals gehörte Pakistan und Afghanistan noch zu Indien. Als Mumtaz das 14te Kind gebar, starb sie. Der Mogul versprach ihr vor ihrem Tot 3 Dinge. Er solle ihr ein wunderschönes Mausoleum bauen, nie wieder heiraten und für ihre Kinder sorgen. Ihm erschien das Taj Mahal im Traum, und genauso sollte ihre letzte Ruhestätte aussehen. Er lies alle grossen Architekten der Welt kommen, und Skizzen anfordern. Ein Türke skizzierte das Taj Mahal genau so, wie es ihm im Traum erschien und bekam den Zuschlag. Das Taj Mahal wurde in 22 Jahren per Hand erschaffen, Blumen aus Lapislazuli und Saphir, eingeschnitzt in Marmor, ausgekratzt und millimetergenau eingepasst.Das Taj Mahal sieht aus wie im Märchen, das weisse Gebäude wirkt wie aus Puderzucker und schwebend. Alles ist mit sehr viel liebe zum Detail verarbeitet. Alles ist symmetrisch, mit einer Ausnahme, der Mongul lies sich nach seinem Tod links, auf der Herzseite seiner Frau beerdigen. Um das Taj Mahal stehen zwei weitere symmetrisch angeordnete Gebäude, eines davon war das Gästehaus für Politiker. Die Türme davor, waren bis vor einiger Zeit noch für Besucher zum hinaufsteigen geöffnet, da sich aber immer wieder Leute mit Liebeskummer in den Freitot gestürzt haben, bleibt der Ausblick nun den Besuchern verwehrt. Es war sehr beeindruckend und sicher ein einzigartiges Erlebnis, das man nie vergisst.

Nach diesem atemberaubenden Besuch des Taj Mahal sollten wir unsere Zugtickets nach Varanasi bekommen und weiter nach Mumbai und Goa.Mohamed beendete seine Reise hier in Agra mit uns. Nie war die Rede von einem 24 Stündigen Aufenthalt in Mumbai und einer Zugfahrt von 67,5 Stunden Dauer. Die Fahrt sollte sich nach Varanasi um 15.50h am 29.11 fortsetzen, 30.11 um 23.15h sollten wir nach 32 Stunden in Mumbai sein, dort 24 h auf den Anschlusszug nach Goa warten, um dann weitere 11,5 Stunden im Zug zu sein um am 2.12 hMittags in Goa anzukommen.

Ich war tierisch verärgert über diese Organisation und über die fehlende Info über die Gesamtdauer. Man sagte uns, wir wären 1 Tag unterwegs, aber über 3 Tage? Caro lief die Zeit davon, sie hatte ja nur 3 Wochen. Ich rief im Reisebüro, wo wir die Tickets bezahlt hatten an und versuchte das „Missverständnis“ zu klären, ich war wohl so sauer, das Mohamed und Caro sich anschauten und froh waren, nicht an der anderen Seite der Leitung zu sitzen. Und jeder am Telefon fragte, mit wem ich das ausgemacht hatte, ich erwähnte den Namen und als Antwort bekam ich, warum klärt ihr den sowas mit dem, ich bin doch hier der Chef. Ich sagte, dann solle er das Problem lösen, daraufhin gab er mir jemand Anderen an das Telefon, der auch behauptete hier der Chef zu sein, und immer so weiter. Insgesamt sprach ich mit ca. 50 Chefs, die sich darum kümmern wollten, erst geschah eine Weile nichts, die beteiligten in Agra sassen da, starten in die Luft, meinten, ich solle mich beruhigen und schnippten ihren Ohrenschmalz in die Luft- was nicht nicht gerade ungehaltener werden lies. Mein Zwergenaufstand hatte zumindest zur Folge, dass sich der Mumbaiaufenthalt auf 6 h verkürzte und einige indische Männer etwas „Angst“ vor schlagfertigen wütenden deutschen Frauen haben…

Abend 23.15 ging unser Zug von Agra nach Varanasi, so sagte das Ticket. Mohamed meinte wir sollten rechtzeitig am Bahnhof sein, die Zeitangaben sind immer +/- ein paar Stunden und der Bahnhof sei weit ausserhalb. Ich denke er wollte einfach frühstmöglich seinen Job bei uns beenden und wieder nach Hause nach Delhi fahren. Er war immer noch sehr zerstört von seiner Feierei in Jaipur. Wir hatten noch etwas Zeit bis zur Abfahrt und liefen durch die Slums, Blechhütten ohne Dächer, und aufgewühlter Staub der Strassen folgten unserem Weg. Inmitten dieser Gegend ein riesiges Einkaufszentrum, bewacht von Polizisten am Eingang, durch einen Scanbereich wie im Flughafen kam man hinein. Nebendran durch den Mc Donald´s, ging der Eintritt ins Einkaufszentrum ohne all diesen Aufwand.

19h, Mohamed brachte uns zum Bahnhof, der gerade mal 20 Minuten entfernt lag. 4h Wartezeit, als wir ausstiegen kam ein Mann mit Maschinengewähr auf uns zu, wir sollten ihm 200 Rupien geben und er würde uns bewachen, sonst würden wir, wie er meinte überfallen werden. Ich winkte ab, und wir gingen Richtung Gleise Der Bahnsteig wirkte von Weiten weiss-grau marmoriert, dabei war es Taubenkot, der den Asphalt bedeckte. Auf den Dächern die dazugehörenden Tauben und Krähen. Der abgelegene Bahnhof wirkte unheimlich, grosse Kanalraten an all den Müllbergen, die sich über den gesamten Ort erstreckten. Hier stank es nach Urin, und Taubenscheisse, die Mücken schwärmten durchs Licht, die Neonröhren flackerten. Zeitweise würde der ganze Bahnhof in Dunkelheit erstickt. Wir fanden einen „Lady-Waitingroom“ und beschlossen hier zu warten. An der Seite der Wartehalle befanden sich Sitzmöglichkeiten aus Stahl, der Boden klebte, die Wände waren stark vergilbt und in der Ecke eine Art Pissrinne, keine Kabine davor, eine Dame erledigt dort gerade ihr Geschäft. Die Frauen gegenüber lächelten, als ich zurück lächelte, kamen sie rüber und hielten die Hand auf. Man freut sich über ein ehrliches Lächeln, nur leider ist uns das im Norden Indiens kaum widerfahren. Jede nette Geste hatte bisher einen faden Beigeschmack, das würde sich im Süden ändern. Im Warteraum gab es einen Stromausfall nach dem anderen, Raten schlichen sich durch die Beine, auch wenn ich nicht zart besaitet bin, so lies mir diese Umgebung einen Schauer über den Rücken laufen. Als das Licht anging stand ein abgemagerter Mann mit amputiertem Vorfuß vor uns, die Mullbinde seines Stumpfes, war mit Taubenkot und Urin getränkt, sein Gesicht war blass und dreckig, seine Rippen zählbar. Auf seinem Kopf hatte er einen weissen Turban, der durch den Schweiss einen gelblichen Schleier bekam. In seinem Mund befand sich gerade mal ein Zahn, die braunen Stummel, ließen sein ursprüngliches Gebiss erahnen. Er wollte eine Gebühr dafür, das wir uns hier aufhielten, im öffentlichen Frauen-Warteraum, ich meinte nur , er sei hier wohl falsch, hier ist für Frauen, er setzte sich gegenüber von uns und starte uns die nächsten stunden mit seinen mit Tränensäcken behangenen Augen an. Er ertönte eine Durchsage durch den Lautsprecher, eine halbe Stunde vor Abfahrt, unser Zug würde sich um weitere 5 Stunden verspäten.

Es graute uns vor der Zugfahrt, doch hier zu sitzen war keineswegs besser. Das Abteil der 3. Klasse war bis oben hin voll mit aufeinander gestapelten Leuten, einige hingen draussen am Fenster oder sassen auf dem Dach, wir waren in der 2ten Klasse und eigentlich einen Schlafplatz. Wir teilen uns unser 6 Personen-Abtail mit 12 weiteren Leuten, auf den obersten Liegen stapelte sich das Gepäck. Ausser den Indischen Männern, befanden sich zwei Russinnen in unserem Abteil, was uns in dieser Situation beruhigte. Die mittleren Liegen waren eingeklappt, da sonst nicht alle sitzen konnten. Nach etwas Verhandlungen bekamen Caro und ich eine Liege zu zweit, und versuchten in Löffelchenstellung mit unserem Gepäck am Fuss festgebunden einzuschlafen.

Am Bahnhof in Varanasi wurden wir abgeholt und zum gebuchten Hostel gebracht. Neugierig machten wir uns auf in Richtung Gharts. Beim Ersten, den wir sahen, fand gerade eine Leichenverbrennung statt. Der Leichnam wurde unter tosendem Gesänge von den männlichen Angehörigen zum Ufer des Ganges getragen. Das Ufer wird hierbei in 3 Klassen unterteilt, die Reichen und gut situierten werden auf einem Podest verbrannt, die „Mittelschicht“ am Ufer und die armen Leute, seitlich etwas versteckter. Wer am Ufer des heiligen Flusses seine letzte Ruhe findet, findet Erlösung aus dem Wiedergeburtskreislauf und kann in den Himmel aufsteigen. Wenn eine Person im Sterben liegt, werden alle Angehörigen herbei gebeten und der Sterbende wird gesalbt, geölt, und geweiht. Wenn er dann verstorben ist, wird er auf einer Barre zum Shivatempel getragen, gebetet und an den Ganges gebracht. Oft erstreckt sich der weg dorthin über mehrere hundert Kilometer zu Fuss. Der Leichnam wird im heiligen Wasser gewaschen um die Elemente Luft, Wasser, Feuer, Erde und Akasha (Personifikation des „oberen Himmels“ zu vereinen. Ein Turm aus Holz wird aufgeschichtet und mit Brennstoffen durchtränkt, der Leichnam wird darauf platziert. Auch hier werden die 5 Elemente aufgegriffen, indem die männlichen Angehörigen 5 Mal um den Toten laufen und beten. Der älteste Sohn ist dabei in weiss gekleidet und muss für diese Zeremonie vom Scheitel bis zur Sohle kahl rasiert sein um die Reinheit zu symbolisieren. Frauen dürfen diesem Verbrennungsritual nicht beiwohnen, da der Glaube sagt, wenn eine Person weint, ist es dem Verstorbenen noch nicht gegönnt von der Erde loszulassen und in den Himmel aufzusteigen. Ausserdem zeigte sich wohl die Erfahrung, das sich die zurückgebliebenen Witwe schön öfters auf ihren brennenden Man gestürzt hatte. Die Inder scheinen ein sehr Suizid gefährdetes Völkchen zu sein. Auch hier scheinen die Gerüche mit jedem Luftzug zu wechseln, ein Gemisch von verbranntem Fleisch und Haar, ätherischen Ölen, Räucherstäbchen, Brennstoff und Urin. Das Becken der Frauen und die Brust der Männer weissen eine zu hohe Knochendichte auf, um im Feuer vollständig zu verbrennen., so werden die Überreste in den Ganges geworfen. Schwangere, Leprakranke(warum auch immer?!), Mönche, Kinder und Personen die von einer Kobra gebissen wurden werden unverbrannt in der Mitte des Flusses versenkt. (Shiva trägt eine Kobra um den Hals). Schmuck des Leichnams wird aus der Asche gesammelt und später verkauft und dafür Brennholz für die Leichen aus ärmeren Familien gekauft. An einem Tag werden hier bis zu 70 Leichen an verschiedenen Charts verbrannt, während Kinder ihre Drachen steigen lassen und ausgelassen spielen und über die Glut hinweg rennen, wo eben eine Totenzeremonie stattfand. Nirgends auf der Welt scheint lebendiges Treiben und der Tot so nah aneinander zu sein. Ein Wechselbad der Gefühle. Das Leben spielt sich am Ganges ab, und da sollte es auch enden. Es herrscht eine beinahe unheimliche Stille für Indien, wie in einer Taucherglocke wird das bunte Treiben stumpf wahrgenommen. Frauen waschen ihre Wäsche im Fluss mit Hilfe eines Waschbrettes, Boote werden gebaut und repariert, es wird meditiert, Yoga gemacht, Tee getrunken.

Ein Mönch winkte uns zu sich, und wollte uns den Hinduismus näher bringen, reichte uns Chai, mit den Worten „Holy water“- shit, Gangeswasser. Wir konnten wir dieses verseuchte Teewasser nur unbemerkt verschwinden lassen, ohne respektlos und unfreundlich zu wirken? Herpes wäre wohl noch die angenehmste Auswirkung dieses Genusses gewesen. Caro hatte auf dieses Gespräch gar keine Lust, und meinte nur „Ich trink das nicht, lass uns gehen“- Aber einfach zu gehen, empfand ich auch nicht als angebracht, schliesslich gab er uns in seinen Augen was ganz Besonderes. Ich stiess ungeschickt mit meinem Fuss an meine Tasse, freute mich, dass mein Plan aufging und bis ich mich versah, schenkte er mir Seinen. Ich sagte ihm, wir haben Magenprobleme und könnten das nicht trinken, daraufhin zeigte er mir Atemübungen, wie ich auf spirituelle Art und Weise auf meinen Organismus einwirken kann und die Beschwerden wegatmen konnte. Caro schaute mich nur fragwürdig an, als ich plötzlich den „Baum“ machte und rhythmisch zu atmen begann.

Wir liefen umher und liessen das Treiben am Ganges auf uns wirken, machten Fotos, wurden fotografiert und genossen die Atmosphäre. Unglaublich viele Kranke und behinderte Menschen hofften hier auf die heilende Wirkung des heiligen Flusses. Der Tot hier am Ganges ist für die Hindus ein Zeichen, das derjenige Heilig ist und nicht mehr wieder geboren wird, sondern sofort ins Nirvana aufsteigen kann. Wenn man bedenkt, dass die Leute bei winterlichen Temperaturen morgens in dieses bakterienverseuchte Leichenwasser springen, ist das nur realistisch, das eine geschwächte Seele mit Lungenentzündung hier ihr letztes Bad nimmt. Die morgendlichen „Reinwaschungen“ beobachteten wir bei Sonnenaufgang vom Boot aus, heute sprangen in den Fluss, waschen sich, ihre Babys, ihr Vieh und ihre Wäsche. Das Wasser war in etwa so rein, wie das einer Kläranlage. Andere sassen am Ufer und beteten, der Fluss lebte, überall lebendiges Treiben, Gesänge und Zeremonien. Die Leute setzten Ölkerzen auf den Fluss, daneben verbrannten sie die Toten. Auch wir bekommen eine Ölkerze, die wir auf den Fluss setzten sollten, der bereits einen Ölfilm an der Oberfläche hatte. Noch nie hatten Caro und ich solche Angst vom Boot zu fallen. Wir wären vermutlich innerhalb kürzester Zeit von den Bakterien, wie von Piranhas zerfressen worden.

Abends gab es hier das „Candlefestival“, die Gharts würden mit einem Meer von Teelichtern geschmückt, der Fluss schien magisch hell erleuchtet. Die Leute feierten und beteten, es war ein beeindruckender Anblick.

Am nächsten Tag starteten wir unsere Zugfahrt nach Mumbai. 2h vor der Abfahrt bekommen wir unsere Zugtickets. Wir teilten uns unsere 6er Kabine mit neun weiteren Leuten, und 2 schreienden Kindern. Hier verbrachten wir unsere kommenden 32 h Zugfahrt. Anfangs sassen wir, wie die Hühner auf der Stange nebeneinander, da kein Platz für alle zum liegen war. Wir hatten für 2 Liegen bezahlt und fragten ob es ok sei, die beiden engen Liegen am Rand haben zu können, und sie hätten dann den ganzen Innenraum für sich. Wir waren todmüde. Sie willigten ein. Es war nicht leicht Schlaf zu bekommen, wenn man es dann doch geschafft hatte, wurde man innerhalb kürzester Zeit ironischer Weise von einem Kaffeeverkäufer geweckt. Oder Chai, Bryani, ect.

Als wir 2 Tage später in Mumbai ankamen, mussten wir dort 7 Stunden auf unseren Anschlusszug warten. Auch hier wurden wir von der Polizei aus Sicherheitsgründen in den Lady-Waitingroom geschickt. Der Raum schien seine eigenen Regeln und „Oberhaupte“ zu haben, auf dem Boden lagen schlafende Frauen auf ihren Tüchern mit ihren Kindern, eine von ihnen schloss immer die Tür und entschied, wer eintreten dürfte und wer nicht. Eine Andere, die sich den einzigen Tisch zum Bett machte, entpuppte sich als Boss der versiften Toiletten, die Nächste war für die Funktion von Licht und Ventilator zuständig. Man hatte ab und an Bedenken, dass die eine der Anderen bald ein paar aufs Maul schlägt, da sich diese in einen anderen Funktionsbereich einmischte.

Um 7 Uhr morgens kam der Anschlusszug nach Goa, ohne Verspätung. die Zugfahrt war diesmal kein Vergleich zu der von Agra nach Varanasi. Abends um 8 Uhr erreichten wir völlig erschöpft unser Ziel Goa, es war bereits dunkel und wir nahmen uns eine Riksha nach Palolembeach. Auf dem Weg stand ein Bulle, der wohl irritiert vom Lichtkegel unserer Rikscha war. Er rannte auf uns zu, ich sah uns schon aufgespielt auf seinen Hörnern. Caro und ich konnten es kaum erwarten am nächsten Tag an den Strand zu gehen und uns um nichts anderes zu kümmern um uns von Bauch auf den Rücken zu drehen. Abends tranken wir noch den schlechtesten Mojito, dazu die beste Fischgrillplatte, die diesen entschädigte. In Palolem machten wir nichts anderes als zu relaxen, Lassi und Bier zu trinken, in der „Bamboo Bar“ zu chillen und es uns gut gehen zu lassen. Läuft man zum Ende des Strandes Richtung Norden, gibt es hinten versteckt eine Bar mit wunderbarer Aussicht, eingebettet in Palmen. Dort waren wir die einzigen Gäste an diesem Abend und die Besitzer machten uns extra BBQ. Die Leute hier in Goa sind um längen relaxter und freundlicher, es war nicht schwer, sich hier gleich wohl zu fühlen.

Das einzige, was echt auf den Sack geht in dieser Idylle sind die Bootsfahrer, die dir sogar im Hochlandgebirge eine Fahrt andrehen wollen würden und die zahlreichen Hippie-Aussteiger, die sich über ihr günstiges Leben hier in Indien freuen und an jeder Ecke des Strandes ihre Yogafiguren darbieten.

Uns brannte die heisse Sonne auf die Haut. Nach 4 Tagen hatte ich das Gefühl nach Tatendrang, ich wusste nicht mehr wie ich liegen sollte und Sonnenbrand hatte ich auch. Wir entschlossen uns nach dem tausendsten Angebot doch für eine Bootstour. Das war ganz schön enttäuschend, desöftern haben wir die Bootsfahrer gefragt, ob „Butterflyisland“ so heisst, weil es da so viele Schmetterlinge gibt. Nach einem eindeutigen „Ja“ aller Befragten freuten wir uns drauf, doch leider trug die Insel nur den Namen aufgrund der Form der Insel, auch „Monkeybeach“ hatte nichts mit Affen zu tun, „Honeymoonbeach“ war keineswegs romantisch und beim „Delphinwatching“ hatten wir nur eine Flosse gesichtet!

Am Nachmittag machten wir einen Indischkochkurs in der mickrigen Küche einer Einheimischen. „Sahi“ verkaufte Gewürze an einem Marktstand, sie lebte in einer kleinen Blechhütte seitlich der Strandpromenade mit ihren Schwestern. Das Schnibbeln der Zutaten fand auf dem Küchenboden statt, sie zeigte uns, wie man Kokosnüsse raspelt, lerte uns „Nan“ backen, bereitete „Egg-Curry“, „Dal“und „Marsala Chai“ mit uns zu. Danach sassen wir zusammen auf dem Wohnzimmerboden und assen unsere Leckereien. Die Schwestern waren bildhübsch und ganz bezaubernd. Sie plauderten etwas aus dem Nähkästchen und freuten sich darüber zu erfahren wie wir europäischen Frauen so leben. Eine erzählte von ihrer arangierten Hochzeit, und das sie sich später im Laufe ihrer Ehe in ihren Mann verliebte und aus der Ehe 3 wundervolle KInder hervor gingen. Frauen bekommen anstelle eines Rings zur Hochzeit eine Kette um den Hals und tragen von da an keine Kleider mehr, sondern die wundervollen Saris.

Nach weiteren vier Tagen Palolembeach beschlossen wir den Strand zu wechseln und zogen an den noch ruhigeren Agondabeach. Caro hatte nach dem Trubel im Norden keine Lust mehr, weiter zu reisen und wollte ihre letzten Urlaubstage nur noch am Strand verbringen. Wir fanden ein Ressort mit Live-Music, in dem wir unsere kommenden Abende verbrachten. Das Personal war so liebenswert und bemüht, dass ihnen sogar auffiel, dass wir auffällig oft die Toilette benutzten, weil wir nicht immer ganz so gut auf das indische Essen klar kamen und boten uns Medikamente an. Der Manager lebte über den indischen Winter mit seiner deutschen Frau und seinen 2 Kindern in Berlin, daher sprach er fliessend Deutsch.

Ich überredete Caro zu einem letzten Ausflug und wir fuhren mit dem Bus nach „Panaji“, der Hauptstadt des Staates Goa. 7h dauerte die Fahrt. Goa war eine portugisische Kolonie und wirkt daher sehr westlich und schick. Die Stadt liegt am Ufer eines Flusses, an dem sich ein Casino nach dem nächsten reiht. Wir liesen uns von der Stadt treiben und fanden eine hübsche Bäckerei und gönnten uns ein leckeres Stück Schokoladentorte und endlich mal ordentlichen Kaffee. Hier war es völlig entspannt sich zu bewegen und war kein vergleich zum Norden.

Abends machten wir uns wieder auf den Heimweg und wunderten uns schon über die 2 unterschiedlichen Bustickets nach Agonda, die sie uns am Schalten verkauft hatten. Deshalb fragten wir beim Einstieg den Busfahrer, ob das korrekt sei, er winkte uns weiter. Als wir bereits zwei Stunden unterwegs waren, kam ein Kontrolleur, der behauptete mein Ticket sei falsch. Er bestand darauf, das wir uns neue Tickets kaufen sollten, obwohl wir eh schon das vielfache des Preises der einheimischen Fahrgäste bezahlt hatten. Ich bestand darauf, das nicht zu tun. Der Busfahrer hatte zwei Stationen vorher gewechselt. Plötzlich entstand eine merkwürdig erdrückende Stimmung im Bus. Die Männer platzierten sich vor den Türen und blockiertern somit den Ein- und Ausstieg. Das wilde Geschnatter wurde immer lauter und die Leute zeigten mit dem Finger auf uns und warfen uns verachtende Blicke zu. Die Situation wurde beklemmend, als wir an dem Schild „Agonda“ vorbeifuhren, dem Fahrer mitteilten, das wir hier aussteigen wollten, und das komplett ignoriert wurde und uns der Weg versperrt wurde. Wir wiesen des Öfteren darauf hin, wir möchten raus, doch nicht mal die Frauen im Bus, waren uns wohl gesonnen. Draussen dämmerte es bereits. Der Fahrer fuhr immer weiter und warf uns dann an einem abgelegenem Weg, ca 40 Minuten von Agonda entfernt, raus. Einige der Insassen riefen uns noch hinterher.

Die letzten gemeinsamen Tage chillten wir in den bequemen Kissenbergen unserer Stammbar „Simrose“ oder am Strand. Caro reiste von hier aus ab und lies mich zurück.

Meine Kreditkarte war zu neu für die Automaten in Indien, bisher zahlte Caro, weil ich nichts abheben konnte und ich überwies ihr das Geld über Online-Banking. In Agonda, war der einzige Automat, der meine Karte akzeptierte, so musste ich das Geld, das ich bis zum Ende meiner Reise brauchen würde, hier abheben und hatte so 20000 Rupien bares in der Tasche.

Am nächsten Tag ging mein Nachtzug nach Kochi. Kochi ist die Hauptstadt des Staates Kerala, süd-westlich von Indien. Hier besteht Schulpflicht für alle Kinder, Englischkurse sind zugängig für jederman und das Leben hier ist mit dem Norden Indiens nicht vergleichbar. Ich war viel zu früh am Bahnsteig und hatte ein mulmiges Gefühl, allein ohne Caro weiter durch Indien zu reisen. Es war zwar nicht so, dass sie mir bei organisatorischen Dingen eine grosse Hilfe gewesen wäre, aber gerade im Norden fühlte ich mich in Zweisamkeit sicherer. Es war eine der Reisen, auf denen man kaum in Kontakt mit anderen Reisenden kam. So war es schön sich auszutauschen und Caros Anwesenheit war sehr angenehm und lustig. Indien hatte für mich einen unberechenbaren Beigeschmack.

Doch dann kam Hannah. Ich saß also am Bahnstieg, gedankenverloren und überlegte, was wohl auf mich zukommen würde. Ich ließ meinen Blick durch die Leute schweifen. Ich war die einzige „Weiße“ weit und breit. Mir bammelte es vor der nächtlichen Zugfahrt. Plötzlich stieg eine sehr sympatische rothaarige junge Frau aus dem Taxi, schaute sich um, sah mich und winkte mir, als würden wir uns seit Jahren kennen. Ich schaute sie etwas verdutzt an, drehte mich um und fragte mich, ob sie wirklich mich meinte. Niemand sonst reagierte. Ich winkte zurück. Sie kam auf mich zu und fragte ob neben mir frei sei. Ich sagte „Ja“ und im selben Moment kackte mir eine Taube auf den Kopf. Das Eis war gebrochen, wir lachten. Das musste der Anfang einer glücklichen Begegnung sein.

Auch sie hatte nach ihren Erfahrungen im Norden Indiens Schiss, allein weiter zu reisen. Also waren wir jetzt Freunde.

Wir unterhielten uns bis der Zug kam und sie passte zu mir wie Arsch auf Eimer.

Im Zug hatten wir leider getrennte Abteile, sie fuhr 1. Klasse, ich Dritte. Diesmal war die Zugfahrt noch schlimmer. Die Liege war offen, sonst gab es immer Vorhänge, um einen Teil des Schlafplatzes abzuschirmen. Diesmal fehlte der, genauso wie das Kissen und die ranzige Decke. Dafür gab es diesmal keine Diskussion, ob ich hier allein schlafen dürfte. Ich war die einzige Frau im Abteil. Alle versuchten zu schlafen, doch immer derjenige, der nicht einschlafen konnte, machte alle Lichter an und beglückte das Abteil mit Handy-Bollywood-Musik, so dass keiner mehr schlafen konnte. Dann wurde lautstark geredet, schliesslich waren nun alle wieder wach. Meine Bitte „leise zu sein“ wurde mit einem Schmunzeln ignoriert. Ich war kurz davor durchzudrehen. Mein nasses Handtuch nutze ich als Kopfkissen, mein Halstuch als Decke, ein T-Shirt zog ich mir als Schlafbrille übers Gesicht. Ich wurde begafft, das erschwerte das Einschlafen nochmals.

Mauskaputt stieg ich in Kochi aus dem Zug aus und wartete auf die frisch ausgeschlafene Hannah, die eine sehr angenehme Zugfahrt hatte und ein Abteil für sich alleine. Wir beschlossen uns zusammen ein Hostel zu nehmen. Als wir auf das Zimmer warteten, lernten wir Renee kennen, ein bildhübsches Mädel aus Amsterdam. Unser Zimmer teilten wir uns mit „Bro“, „Finn“ und „Alisha“ aus Adelaide. Abends trafen wir und alle zusammen zum Essen und auf einige Biere.

Hannah und ich beschlossen am nächsten Tag eine Tour durch die „Backwaters“ zu machen und am nächstenTag nach „Munnar“ in die Berge weiterzuziehen, um uns die Teeplantagen anzusehen.

Wir standen also am nächsten Tag um 7 Uhr morgens auf, um mit einem Schiffchen durch die „Backwaren“ zu schippern. Super relaxte Sache und definitiv empfehlenswert. Wir waren noch etwas verkatert vom Vortag und durch die Stille verfielen wir hin und wieder in Sekundenschlaf. Seichtes Wasser, umgeben von Palmen und dschungelartigen Gewächsen. Am Ufer konnte man die Leute, die dort in kleinen Hütten wohnten beobachten, wie sie ihren alltäglichen arbeiten nachgingen. Ihre Wäsche im Fluss mit Hilfe eines Waschbrettes wuschen, baden gingen, Zäune aus Bambus bauten oder Seile flechteten. Wir sahen mehrere Wasserschlangen, rote Libellen die über dem Gewässer tanzten, man zeigte uns unzählige Gewürzpflanzen und Gewächse, wie z.B. Pfeffer, Mango, Cashew, die Pflanze, aus der Viagra gemacht wird oder Grapefruit. Alles schmeckte so unfassbar intensiv und war viel geschmackvoller als die Dinge, die man zuhause kaufen kann. Weiter ging mit einem grossen Hausboot zu einer kleinen Insel zum Mittagessen, dort war bereits alles vorbereitet. Mir fehlte nur noch ein kühles Bier zu meinem Glück, und als ich es aussprach, bekam ich bereits eins in die Hand gedrückt. Ich öffnete mein Bier mit dem Feuerzeug, die Inder starrten mich an, als hätte ich gezaubert. Und schon standen sie mit ihren verschlossenen Bieren Schlange, um sich ihr Bier öffnen zu lassen oder sich den „Trick“ zeigen zu lassen. Das sah so unglaublich herrlich aus, wie die 30 Mann in Reih und Glied anstanden. Zum Mittag gab es verschiedene Currys, allesamt sauscharf. Reis und Dhal wurde auf einem Bananenblatt serviert. Zur Nachspeise gab es Reisnudelpudding und Bananen.

Wir genossen noch weitere 2 Stunden die wunderbare Gegend. Eine ältere Dame zeigte uns, wie man aus den Fasern der Kokosnuss Seil gewinnt, die Frau war so unglaublich herzlich, interessant und ausdrucksstark, das sie nach wie vor mein liebstes Fotomotiv ist.

Völlig erledigt, waren wir gegen 17h zurück im Hostel. Als wir ins Zimmer kamen, war mein Schliessfach geöffnet. Ich warf einen Blick hinein, und vermisste auf den ersten Blick nichts, Kreditkarte, Geldbeutel mit Inhalt, Tablet, Pass, Handy, alles schien erstmal da zu sein.

Wir gingen Essen. Danach hatte ich Bauchkrämpfe und versuchte diese im Hostel weg zu schlafen, um für die Fahrt am nächsten Morgen nach „Munnar“ fit zu sein.

Wir waren nun zu viert, Renee lernte Jil kennen und wir wollten zusammen nach „Munnar“. Beim Frühstück stellte ich fest, als ich zahlen wollte, dass ich zwar noch einen riesigen Bündel Geld im Portmonee hatte, allerdings waren meine 500 Rupien-Scheine durch 1 Rupien-Scheine ersetzt worden. Ich ging runter zur Rezeption und meldete den Vorfall. Auch das gestern Abend mein Schliessfach offen stand und die Scheine jemand ausgetauscht haben muss. Mir fehlen 14000 indische Rupien.

Im Vorfeld bei der Ankunft erzählte man uns, das Hostel sei Video überwacht, und man hob die Sicherheit in diesem Hostel hervor. Allerdings gibt es hier auch alle paar Minuten Stromausfall.

Ich schreibe beim Fragebogen für Hostels immer in den Bereich „Occupation“, dass ich für den „Lonely Planet“ arbeite, um die Unterkünfte zu checken und evtl. im Reiseführer aufzunehmen, das bringt nur Vorteile.

„Finn“ aus unserem Zimmer erzählte mir, das sein Schlüssel in jedes Schliessfach passt, auch ihm fehlte Geld aus dem Fach. Wir probierten es aus, und tatsächlich gab es zwar für jeden ein seperates Schliessfach, nur hatte jeder den passenden Schlüssel für die anderen Fächer auch. Ich ging runter zur Rezeption und bat sie die Polizei zu rufen und wies sie darauf hin, das der Fehler bei ihnen liegt. Ich war sauer und verärgert und sagte, dass das kein gutes Bild auf das Hostel wirft und ich darüber berichten werde, wenn ich nicht in der nächsten Stunde meine 14000 Rupien wieder hätte. Ich hätte mit meiner Kreditkarte nicht mal hier abheben können. Ich hatte einen der Mitarbeiter in Verdacht. Ich ging selbst zur Polizei und telefonierte mit dem Hostelmanager, der um seinen Ruf fürchtete, wenn ich darüber schreiben würde.

Keine 2 Stunden später kam er vorbei und gab mir anstandslos auf den Cent mein Geld zurück.

Die Mädels waren so lieb und warteten auf mich. Unser Trip in die Berge konnte starten. Es ging erst mit der Fähre von „Ernakulam“ weiter und wir erreichten zum Glück gleich unseren Anschlussbus 10 Minuten später.

Die Busfahrt war Horror. Es fiel schwer die wunderbare Aussicht aus den Fenstern zu geniessen, da der Busfahrer die 130 km schmalen Strassen mit tiefen Abgrund an der Seite hoch schoss, als gäbe es kein Morgen mehr. Noch so ein Suizid Gefährdeter. Die Strassen wirkten, als hätte nicht ein Auto Platz, und die Busfahrer führen mit 2 Bussen aneinander vorbei. Ich sass links am Fenster und hatte jede Kurve so Schiss, insgesamt starb ich auf dieses Fahrt mitgezählte 51 Mal. Die beeindruckenden Wasserfälle, Curry-Plantagen nahm ich nur verschwommen wahr. Der Bus war proppenvoll, es wurde immer dunkler, und umso näher wir Männer kamen, umso mehr Leute stiegen auf dem Weg zu. Spät Abends kamen wir dann doch sicher an. Am nächsten Tag machten wir eine Tour durch die Teeplantagen, man fragte uns „Softtrack“ oder „Handtrack“? Hannah und ich waren uns einig, den soften Track über 5 Stunden Wanderung zu nehmen.

Die Aussicht war gigantisch, durch die Teefelder, die auf Höhe der Wolken standen ging es steinige Wege hoch und runter und wir fragten uns zeitweise, was daran „soft“ war.

Nachdem wir am obersten Punkt angekommen waren ging es zurück ins Dorf und uns winkten überall die Kinder. Ein Mann holte eine Telefonleitung aus dem Boden und schloss sein Telefon an. Ich war fasziniert, dass das funktionierte. Die Leute hier waren so unglaublich freundlich und liebenswert, wir machten nur grossartige Erfahrungen in dieser Gegend.

Nach einem Mittagsschlaf ging ich mit Hannah zum Underground-Market. Dort gab es alles was das Herz begehrte, Gewürze, Gemüse und sämtlichen unnützen Krimskrams. Ich kaufte an einem Stand Pfeffer, und der Händler bemerkte gleich, dass sich plötzlich alle Leute um uns herum tummelten. Nicht nervig wie im Norden, eher interessiert. Die Gegend hier war nicht so touristisch, deshalb waren wir hier auch die Attraktion. Er bat uns, an seinem Stand zu verkaufen, da wir Leute lockten. Er brachte uns Chai und setzte sich in die Ecke. Und es war der Wahnsinn, unser Stand war so gut besucht und unser Freund machte den Umsatz seines Lebens, das hatte so Spass gemacht. Ich und Hannah rockten den Laden.

Drei Tage später fuhren wir nach „Allepey“. Hannah und ich hatten immer noch tierisch Muskelkater vom „Soft-Track“ und beschlossen uns hier ein Ayuveda-Treatment zu gönnen. Ein Traum, eine Ganzkörperölmassage mit Einränkung, Dampfbad, Gesichtsmaske, Haarbehandlung. Wir fühlten uns wie neugeboren. Abends soffen wir uns, die Mittags weggebügelten Falten und durch die Masken verschwundenen Augenringe wieder mit Bier an. 🙂

Den nächsten Tag verbrachten wir hier am Strand und im Café. Hannah musste am nächsten Tag zurück nach Mumbai, um nach Hause nach Sydney zu fliegen.

Ich fuhr mit Renee, Jil und Thomas, den Renee aus „Hampi“ kannte und wieder traf, weiter nach „Varkala“, meinem letzten Stop.

Varkala liegt ziemlich südlich in Indien. Hier sind die Strände mit schwarzem Sand, was auf den ersten Blick erstmal komisch aussieht. Vor allem sieht man immer aus wie ein Schornsteinfeger.

Ich schaute mir hier noch den traditionellen Kathakali ( katha steht für Geschichte, kali für Darbietung oder Schauspiel) . Das ist eine expressive Form von Tanz, eher ein abgefahrenes Tanzdrama, das typisch für „Karala“ ist. Ich fand es beeindruckend und gruselig zugleich. Man schaut sich schon vor dem beginnenden Theaterstück an, wie die Darsteller sich Ankleiden und Schminken. Es spielen nur Männer mit, aber es ging um eine Liebesgeschichte zwischen Mann und Frau, bei der der Mann eifersüchtig auf einen anderen Kerl war, die beiden immer um die Dame getanzt sind und der Ehegatte schliesslich dem Nebenbuhler die Eier abschnitt und ihr die Brüste. Ganz hab ich das nicht verstanden. 🙂

Von hier aus flog ich nach ein paar unspektakulären Tagen am Strand nach Mumbai und zurück nach Hamburg, zu Olli.

Mein Fazit für Indien? – Ich war beeindruckt, überwältigt angewidert und fasziniert zugleich. Ich empfehle keiner Frau allein den Norden zu bereisen, im Süden geht das ganz gut.

Ich kam zurück, und dachte, nie wieder Indien. Nach vier Jahren zieht es mich wieder zurück. Mal sehen ob ich bei meiner kommenden Reise einen Abstecher wage…